Schöne Sprüche, liebe Grüße und Glückwünsche Gedichtband
Gedichtband
Autoren
Betina Graf Über Viabilia
Kinkakuji in Japan

Japanische Sprüche und ausgewählte Tanka

Japan ist ein faszinierendes Land. Von unserer europäischen Perspektive aus betrachtet liegt es so weit im Osten wie nur irgendwie möglich und hat eine uns völlig unvertraute Sprache, Kultur, Religion und Geschichte; gleichzeitig aber gilt Japan auch als ein westlich geprägtes Industrieland und ist Deutschland manchmal ähnlicher, als wir uns gerne eingestehen wollen. Japan ist nicht nur seiner einmaligen Popkultur wegen bekannt, sondern verfügt auch über eine Jahrtausende alte Kultur der inneren Einkehr, der Philosophie und der Balance. Und obwohl Japan definitiv zu den stark buddhistisch beeinflussten Ländern Asiens gehört, ist der shintoistisch geprägte Buddhismus auf den japanischen Inseln doch ein ganz anderer als der Buddhismus auf dem asiatischen Festland.

Lassen Sie sich von unserer Sammlung japanischer Sprüche, Sprichwörter und Weisheiten inspirieren und entdecken Sie Ihre eigene Verbindung zur Philosophie und Kultur des “Landes der aufgehenden Sonne”. Sie können unsere Sprüche nicht nur zur inneren Reflexion nutzen, sondern auch wunderbar künstlerisch gestalten (vielleicht, in Anlehnung an die japanische Kunst des 書道 shodō, in kalligraphischer Form?), sie als Mantra oder Motivationsspruch heranziehen oder damit Grüße an (japanbegeisterte) Freunde und Verwandte ausschmücken. Auch einige ausgewählte Tanka, also japanische Gedichte, finden Sie auf dieser Seite. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Schöne japanische Sprüche und Weisheiten

Spruch bzw. japanische Weisheit

Die Seligkeit
eines Augenblicks
verlängert das Leben
um tausend Jahre.

Japanische Weisheit

Volksweisheit / Volksgut
Japanische Weisheit 4879
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Schönheit im Verborgenen - schöne Blume

Die prachtvollsten Blumen
blühen oft im Verborgenen.

Volksweisheit / Volksgut

Diese Metapher aus dem Blumenreich verrät uns, dass es Menschen gibt, die wir erst auf den zweiten Blick bemerken. Wissen wir diese eher verborgenen Charaktere zu würdigen? Manchmal tendiert man dazu, sie für selbstverständlich zu halten, und erst, wenn sie nicht mehr da sind, erfahren wir, was uns fehlt.

Spruch 4709
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Selbst ein Weg von tausend Meilen
beginnt mit dem ersten Schritt.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 760
Fels in Petra, der sich querstellt über Treppe

Ein starker Wille
durchdringt einen Felsen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 3066
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Den Augen eines Verliebten
sind selbst Pockennarben Grübchen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 1054

Im Augenblick der Geburt
beginnt für die Eltern der Abschied.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 1500
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Beim Betrachten der Natur
werden die Gefühle geboren.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 1520
Lachen einer Frau

Die Lebensspanne ist dieselbe,
ob man sie lachend oder
weinend verbringt.

Japanische Weisheit

Volksweisheit / Volksgut
Japanische Weisheit 1545
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Zögere nie,
wenn es gilt,
Gutes zu tun.

Volksweisheit / Volksgut

Und natürlich auch nicht zögern, sich selber Gutes zu tun ;)

Spruch 1549
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Wenn du vergnügt sein willst,
umgib’ dich mit Freunden;
wenn du glücklich sein willst,
umgib’ dich mit Blumen.

Japanische Weisheit

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 1561

Visionen ohne Taten sind Tagträume.
Taten ohne Visionen sind Alpträume.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 1847

Wer lächelt statt zu toben,
ist immer der Stärkere.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2122

Urteile nicht über Dinge,
von denen du nur Schatten
und Echo kennst.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2299

Der Frosch im Brunnen
weiß nichts vom Ozean.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2300
Kormorane am Wasser

Der Rabe, der den
Kormoran nachahmt,
muss viel Wasser schlucken.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2361
Kleines Blumen-Arrangement

Ich habe Brot gebacken und
Rosen geschenkt bekommen.
Wie glücklich bin ich, beides
in meinen Händen zu halten.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2434
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Erst wenn man selbst Kinder hat,
erkennt man der eigenen Eltern Güte.

Volksweisheit / Volksgut

Dieser Muttertagsspruch sagt auf eine recht poetische Art auch nichts anderes aus als dass Kinder bisweilen richtige Nervensägen sein können. Das mag zweifelsohne stimmen – aber zugleich besteht zwischen ihnen und ihren Eltern auch das stärkste Liebesband, das die Menschheit kennt. Der Muttertag ist die perfekte Gelegenheit, um diese besondere Liebe zu feiern – und sich vielleicht bei der eigenen Mutter für all die Nervenzerreißproben zu entschuldigen, denen man sie als Kind ausgesetzt hat …

Spruch 2507
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Auch durch ein Nadelöhr
kann man den Himmel sehen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2653
Baby, das über eine kleine Schnecke lacht

Das Glück
kommt zu denen,
die lachen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2680
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Ying und Yang: Gegensätze vereint

Nur die Gegensätze
lehren einen die Welt kennen:
Wer nicht um das Dunkel weiß,
kann das Licht nicht erkennen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2687

Wer zwei Hasen jagt,
wird keinen davon fangen.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2703
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Ein Mensch lernt wenig
von seinem Siege, aber viel
von seiner Niederlage.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 2898

Man kann auf dem richtigen Weg sein,
aber nicht der richtige Mensch für diesen Weg.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 3054

Eigenes Tun – eigener Lohn.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 3068

Ein großer Kessel
kocht langsam.

Japanische Weisheit

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 3099
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Gute Erinnerungen
tragen unser Leben.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 3419
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Wenn man ihn aufhäuft,
wird auch Staub zu einem Berg.

Japanisches Sprichwort, Übersetzung von der Viabilia-Redaktion

Volksweisheit / Volksgut

Dieses japanische Sprichwort – im Original lautet es ちりも積もれば山となる chiri mo tsumoreba yama to naru – entspricht in seiner Bedeutung dem deutschen “Kleinvieh macht auch Mist”.

Spruch 3897
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Wahrheit benötigt nur
wenige Worte.

Volksweisheit / Volksgut
Spruch 4465

Verschüttetes Wasser
kehrt nicht in die
Schüssel zurück.

Volksweisheit / Volksgut

Ähnlich wie der Spruch: “Das Kind ist in den Brunnen gefallen.” Nur dass der japanische Spruch vielleicht etwas optimistischer – da weniger dramatisch – ist, und man ja Wasser in der Regel leicht wieder nachfüllen kann.

Spruch 923
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Japanische Weisheit: in den Himmel schauen

Schaut man
nach oben,
sieht man keine
Grenzen.

Volksweisheit / Volksgut

Aber auch umgekehrt: Schaut man vom Weltraum aus auf die Erde, bemerkt man, dass die Grenzen von Menschen gemacht sind.

Spruch 1581
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Japanische Weisheit über die Eile

Wenn du es eilig hast,
mache einen Umweg.

Japanische Weisheit

Volksweisheit / Volksgut

Dieser Spruch erscheint zunächst, ein Widerspruch zu sein. Doch wenn wir es genauer betrachten, sind wir oftmals nicht wirklich aufmerksam, wenn wir eine Sache in Eile erledigen. Einiges kann uns entgehen. Wenn wir allerdings sehr oft die Dinge in Eile tun, könnte Innehalten und in innerer Ruhe eine Lösung finden die Möglichkeit sein, herauszufinden, wie unser Leben in unserer eigenen Geschwindigkeit gelebt werden kann. Vielleicht ist eine Veränderung angesagt?

Japanische Weisheit 4925
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Weisheiten aus Japan auf Bild

Japanische Weisheit über die Selbstwirksamkeit
Was du säst, wirst du ernten
Japanische Weisheit über Veränderungen und Stillstand
Umgang mit Veränderungen
Spruch über die Kinder, die einen Abdruck ihrer Mutter mitnehmen
Muttertagssprüche
Spruch über das Alt werden bzw. älter werden als Lebenskunst
Sprüche über das Älterwerden
Aus unbewegt stillen Herzen heraus

Diese Weisheit scheint in Verbindung mit der Schule des Zen zu stehen. In ihr geht es um die Befreiung von den eigene Trieben im Sinne des Buddhismus, zu erreichen durch die aufmerksame und stille Betrachtung der Welt.

Sprüche über Aufmerksamkeit
Gartenspruch über die Stille
Schöne Sprüche über den Garten
Gartenspruch bzw. Metapher über Blumen und Herz
Japanische Weisheit: die Geduld nicht verlieren
Japanische Kirschblüte

Hyakunin isshu: die japanischen Gedichte der Heian-Zeit

Das Hyakunin isshu 百人一首 (wörtlich: „100 Menschen, ein Gedicht“, übertragen „von 100 Menschen je ein Gedicht“) ist eine sehr bekannte japanische Gedichtanthologie, kompiliert von Fujiwara Teika um 1235. Sie umfasst 100 durchnummerierte formgleiche Gedichte, die sich aus der Perspektive Adliger am Hofe Kyotos meist mit der Schönheit der Natur oder Liebesdingen auseinandersetzen. Die meisten der Gedichte stammen aus der Epoche des Klassischjapanischen (10. bis 12. Jahrhundert), manche sind jedoch noch älter.

Bei der Gedichtform des Hyakunin isshu handelt es sich um Tanka 短歌 – eine sehr alte japanische Gedichtform, die (ähnlich der moderneren Gedichtform Haiku) durch die Silbenanzahl definiert wird. Tanka haben klassischerweise fünf Verse, die dem Silbenschema 5-7-5-7-7 folgen.

Bis heute erfreut sich die Anthologie großer Popularität. Das liegt wohl vor allem daran, dass es die Grundlage des traditionellen japanischen Spiels karuta カルタ ist, welches von der Person gewonnen wird, die die Gedichte des Hyakunin isshu am besten auswendig beherrscht: Karten, auf denen jeweils eines der 100 Gedichte notiert ist, werden vor den Spielern ausgebreitet und ein zufälliges der Gedichte laut vorgelesen. Wer das Gedicht am schnellsten identifizieren und die entsprechende Karte abklatschen kann, gewinnt die Karte und somit einen Punkt.

Natürlich hat sich die japanische Sprache seit der Epoche des Klassischjapanischen stark gewandelt, das Schriftbild im Hyakunin isshu ist jedoch dem Gegenwartsjapanischen sehr ähnlich und kann problemlos von heutigen Japanerinnen und Japanern gelesen werden. Aus diesem Grund wurde sich hier bei jeglicher Umschrift an modernen Aussprachestandards orientiert, solange es das Schriftbild nicht explizit anders angibt. Die Gedichte wurden dem Werk „Einführung in das Klassische Japanisch“ von Jens Rickmeyer entnommen, die Übersetzungen wurden auf der Grundlage dieses Lehrbuches von der Viabilia-Redaktion angefertigt.

Karuta playing cards

Alte japanische Karten zum Spiel karuta, wahrscheinlich aus der Taisho-Zeit.

Japanisch - Hyakunin isshu - vom Herbst ergriffen

Vom Herbst bin ich ergriffen,
wenn ich die Stimme
der röhrenden Hirsche höre,
tief in den Bergen
das Laub durchschreitend.

Hyakunin isshu Nr. 5, Übersetzung der Viabilia-Redaktion

Sarumaru Dayû

Oku-yama ni
momiji fumi-wake
naku shika no
kowe kiku toki zo
aki wa kanashiki

Die Umschrift in lateinischen Buchstaben orientiert sich an modernen Aussprache-Standards.

Dieser Spruch stammt aus dem Hyakunin isshu, einer japanischen Gedichtanthologie, die vor rund 800 Jahren von Fujiwara Teika kompiliert wurde – manche der Gedichte sind jedoch wesentlich älter. Dieses Gedicht (Nr. 5 im Hyakunin isshu) stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Grammatikalisch kann sich „tief in den Bergen das Laub durchschreiten“ auf das lyrische Ich oder die röhrenden Hirsche beziehen.

Herbstspruch 4627
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Japanisch Hyakunin isshu - das Ruder bricht, der Weg der Liebe ist ungewiss

Den Schiffsleuten, die die
Meerenge von Yura durchqueren,
bricht das Ruder und
wo es hingeht, ist ungewiss –
und genauso ungewiss ist,
ach, der Weg der Liebe.

Hyakunin isshu Nr. 46, Übersetzung der Viabilia-Redaktion

Sone no Yoshitada

Yura no to o
wataru funabito
kaji o tae
yuku e mo shiranu
koi no michi ka na

Die Umschrift in lateinischen Buchstaben orientiert sich an modernen Aussprache-Standards.

Dieser Spruch stammt aus dem Hyakunin isshu, einer japanischen Gedichtanthologie, die vor rund 800 Jahren von Fujiwara Teika kompiliert wurde – manche der Gedichte sind jedoch wesentlich älter. Dieses Gedicht (Nr. 46 im Hyakunin isshu) stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Die Phrase „nicht wissen, wo es hingeht“ bezieht sich grammatikalisch gleichzeitig auf die Schiffsleute wie auch auf den Weg der Liebe (Paronomasie; ein häufiges Stilmittel im Hyakunin isshu) und vergleicht diese so miteinander. Auch in „kaji o tae“ versteckt sich eine kleine Doppeldeutigkeit: Entweder kann der Ausdruck als „das Ruder bricht“ oder als „das Ruderseil reißt“ interpretiert werden.

Spruch 4628
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Hyakunin isshu: Nacht alleine

Wie lang die Zeit ist,
bis die Nacht, in der ich
immerfort traurig alleine liege,
hell wird – weißt du das?

Hyakunin isshu Nr. 53, Übersetzung der Viabilia-Redaktion

Mutter von Michitsuna

Nagekitsutsu
hitori nuru yo no
akuru ma wa
ika ni hisashiki
mono to ka wa shiru

Die Umschrift in lateinischen Buchstaben orientiert sich an modernen Aussprache-Standards.

Dieser Spruch stammt aus dem Hyakunin isshu, einer japanischen Gedichtanthologie, die vor rund 800 Jahren von Fujiwara Teika kompiliert wurde – manche der Gedichte sind jedoch wesentlich älter. Dieses Gedicht (Nr. 53 bzw. 54 im Hyakunin isshu) stammt aus dem 10. Jahrhundert. Leider sind die tatsächlichen Namen vieler Urheberinnen heute nicht mehr überliefert.

Wahrscheinlich hat dieses Gedicht einen romantischen Hintergrund. Aufgrund der Gepflogenheiten am japanischen Hof war die Zahl der gemeinsamen Nächte eines Liebespaares oft stark beschränkt.

Hyakunin isshu 4629
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