Inspirationen auf dem Lebensweg
Herbstsprüche

Schöne Sprüche und Gedichte über den Herbst

Selbst die schönsten Sprüche über den Herbst können der bunten und üppigen Pracht, die auf den Sommer folgt, nur im Ansatz gerecht werden. Die Baumkronen erstrahlen in abenteuerlichen Rot-, Gelb- und Orange-Tönen, die Äste biegen sich unter der Last der Früchte, und die Tiere treffen ihre letzten emsigen Vorbereitungen für den nun bald folgenden Winter. Für uns Menschen bedeutet der Herbst Reichtum auf unseren Tischen: zu keiner anderen Zeit im Jahr sind unsere Tafeln so reich gedeckt wie direkt nach der Ernte. Wer religiös ist, spricht den höheren Mächten seinen Dank bei einem Erntedankfest aus.

Auch, wenn die Tage allmählich kürzer und kälter werden, hat der Herbst doch eine ganze Menge zu bieten – auch abseits vom guten Essen. Regen und Nebel schenken der Welt neue Feuchtigkeit und machen die Luft zu einer Wohltat; Kinder und andere Begeisterte lassen Drachen steigen und verzieren damit den Himmel; und das Laub lädt zum Spielen ein und raschelt herrlich, wenn man hindurchläuft. Es heißt sogar, dass es Glück bringe, ein fallendes Blatt zu fangen, ehe es den Boden berührt. Versuchen Sie es doch mal! :)

Ausgewählte schöne Herbstgedichte und -sprüche

Herbst - Bild vom Sonnenuntergang im September

Reif

Septemberabend fließt
rotleuchtend ins dämmrige Land.
Versöhnt nun und spielerisch reichen
Sommer und Herbst sich die Hand.

Die kühlende Luft schmeckt nach Ernte
und samtbraunem Champignon.
Durch die Felder streicht flirrend
ein goldgelber Ton.

Das Altsommerweib lächelt
erfahren und verwebend schön -
Erwartung des Herbstes formt freundliche Falten -
bereit nun die Erblühte
zum Gehn.

Ich lasse mich streicheln,
ich bleib schweigend stehn,
ergraut im Gebälk, im Herz seelenbunt.
Hinter sonnenverwöhnten Lidern verwehn
rotflammend Sommernachtsträume.
Der Herbst meines Lebens
tut sich freundlich mir kund.

Foto: Ringo Effenberger

Ringo Effenberger
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Herbsttag

Herr: Es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein,
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin,
und jage die letzte Süße
in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandeln, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
Weiße Blüte im Frühling

Der Frühling ist zwar schön;
doch wenn der Herbst nicht wär’,
wär’ zwar das Auge satt,
der Magen aber leer.

Friedrich von Logau
Reife Äpfel im Herbst

Kommt, von allerreifsten Früchten
mit Geschmack und Lust zu speisen!
Über Rosen lässt sich dichten,
in die Äpfel muss man beißen.

Johann Wolfgang von Goethe

Das Leben genießen mit dem, was gerade zur Verfügung steht, dazu ruft dieses kleine Gedicht wohl auf. Lassen wir es uns gut gehen, so gut wir es können!

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Goldener Herbst

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen.
Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmen Golde fließen.

Eduard Mörike
Die Ernte im Herbst genießen

Was der Frühling nicht sät,
kann der Sommer nicht reifen,
der Herbst nicht ernten,
der Winter nicht genießen.

Johann Gottfried von Herder

Das Schöne ist, dass wir als Menschen sinnbildlich zu jeder Jahreszeit gute Samen säen können. Auch wenn wir es nicht in der Hand haben, welche Samen auf guten Boden fallen, so werden doch einige aufgehen.

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Leuchtend rote Blätter im Herbst

Im Herbst steht
in den Gärten die Stille,
für die wir keine Zeit haben.

Victor Auburtin
Tröstende Hand

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke
Frohe Herbsttage!
Spinnennetz im Herbst

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der Reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübtem Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Wilhelm Busch

Ein bisschen Wehmut nach dem verflossenen Sommer schwingt bei diesem Herbstgedicht mit – und doch hat der Herbst einiges zu bieten. Gönnen wir uns etwas mehr innere Ruhe und Frieden!

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Herbst

Ich sah den Wald sich färben,
die Luft war grau und stumm;
mir war betrübt zum Sterben,
und wusst’ es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
hertrieb das dürre Laub;
da dacht’ ich: deine Freude
ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
dein reicher Sommer schwand;
an die gefrorne Scholle
bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floss ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
das Lied ins Ohr mir kam,
fühlt’ ich’s wie Trost mir dringen
zum Herzen wundersam.

Es mahnt’ aus heller Kehle
mich ja der flücht’ge Gast:
Vergiss, o Menschenseele,
nicht, dass du Flügel hast.

Emanuel Geibel

Herbst-Gefühl

Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
träumet still die Au.

An der letzten Rose
löset lebenssatt
sich das letzte lose,
bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben
schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergehn’n und Sterben
däucht mir süß zu sein.

Karl von Gerok

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallne Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit…

Christian Morgenstern
Haus im Nebel an Steilhang

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern
Herbststimmung in den Bergen

Jetzt ist es Herbst

Jetzt ist es Herbst,
die Welt ward weit,
die Berge öffnen ihre Arme
und reichen dir Unendlichkeit.
Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
die Bäume sehen in den Staub,
sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

Jetzt ist es Herbst,
das Herz ward weit.
Das Herz, das viel gewandert ist,
das sich verjüngt mit Lust und List,
das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

Max Dauthendey
Apfelernte

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel

Äpfellese

Das ist ein reicher Segen
in Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Lasst uns die Zweige biegen,
dass jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
wir holen sie mit Stangen
und Haken all’ heran.

Und ist das Werk vollendet,
so wird auch uns gespendet
ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh’n wir fort und bringen
die Äpfel heim und singen
dem Herbste Lob und Preis.

Hoffmann von Fallersleben

So regnet es sich langsam ein…

So regnet es sich langsam ein
und immer kürzer wird der Tag
und immer seltener der Sonnenschein.

Ich sah am Waldrand gestern
ein paar Rosen stehn.
Gib mir die Hand und komm…
wir wollen sie uns pflücken gehn.

Es werden wohl die Letzten sein!

Cäsar Flaischlen

Und sind die Blumen abgeblüht,
so brecht der Äpfel goldne Bälle!
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
nun schätzt endlich das Reelle!

Theodor Storm

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit
im Kahn den blauen Fluss hinunter
wie schön sich Bild an Bildchen reiht,
das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Trakl
Herbstblätter

Wie ein Weg im Herbst:
Kaum ist er rein gekehrt,
bedeckt er sich wieder
mit den trockenen Blättern.

Franz Kafka

Der Herbst ist immer
unsere beste Zeit.

Johann Wolfgang von Goethe
Reife Trauben im Herbst

Wer glaubt,
alle Früchte
werden mit den
Erdbeeren reif,
versteht nichts
von den Trauben.

Paracelsus
Verwelktes Blatt im November, im Herbst

Ein Geschenk, freundlich und kostbar,
ist ein Novembertag in Dur und Gold.

Markus P. Baumeler
Grauer Novembertag

Novembertag

Geht ein sonnenloser Tag
wiederum zur Neige,
und der graue Nebel tropft
durch die kahlen Zweige.

Leise atmend ruht die See,
müde, traumumsponnen …
eine Woge, schaumgekrönt,
ist im Sand zerronnen.

Clara Müller-Jahnke
Japanisch - Hyakunin isshu - vom Herbst ergriffen

Vom Herbst bin ich ergriffen,
wenn ich die Stimme
der röhrenden Hirsche höre,
tief in den Bergen
das Laub durchschreitend.

Hyakunin isshu Nr. 5, Übersetzung der Viabilia-Redaktion

Sarumaru Dayû

Oku-yama ni
momiji fumi-wake
naku shika no
kowe kiku toki zo
aki wa kanashiki

Die Umschrift in lateinischen Buchstaben orientiert sich an modernen Aussprache-Standards.

Dieser Spruch stammt aus dem Hyakunin isshu, einer japanischen Gedichtanthologie, die vor rund 800 Jahren von Fujiwara Teika kompiliert wurde – manche der Gedichte sind jedoch wesentlich älter. Dieses Gedicht (Nr. 5 im Hyakunin isshu) stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Grammatikalisch kann sich „tief in den Bergen das Laub durchschreiten“ auf das lyrische Ich oder die röhrenden Hirsche beziehen.

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