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Weihnachten - Ursprung und Bräuche

Weihnachten - Ursprung und Bräuche

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von der Viabilia-Redaktion am 18.12.2019

Weihnachten ist eines der weltweit wichtigsten Feste im Jahr. Aber wissen Sie überhaupt, weshalb wir Weihnachten feiern? Die meisten Menschen geben auf diese Frage die Antwort “zu Ehren der Geburt Jesu Christi” – und haben damit nicht Unrecht, denn das christlich geprägte Weihnachtsfest, wie wir es heute kennen, beruft sich auf die biblische Weihnachtsgeschichte. Tatsächlich aber sind Feierlichkeiten um die Wintersonnenwende Ende Dezember wesentlich älter als das Christentum und finden sich in der ein oder anderen Form in den meisten Hochkulturen. Das macht es wahrscheinlich, dass Weihnachten von der frühen Kirche absichtlich auf ein Datum Ende Dezember (in manch christlicher Tradition auch Anfang Januar) gelegt wurde, um bereits etablierte Traditionen in der frisch christianisierten Bevölkerung in abgewandelter Form erhalten zu können.

In diesem Dossier nehmen wir Sie mit auf eine Reise zu den Ursprüngen des Weihnachtsfestes, wie wir es heute kennen. Dabei beschränken wir uns auf die in Deutschland bekannten Weihnachtstraditionen – einen Blick über den deutschen Tellerrand finden Sie auf unserer Partnerseite sprueche-ratgeber.de. Neben der Herkunft von Weihnachten werden wir auch auf die Quellen der bekanntesten Weihnachtsbräuche eingehen, darunter die Weihnachtskrippe, der Christbaum, der Adventskranz und der Adventskalender. Sollten Sie das Weihnachtsfest bislang als rein christlich motiviertes Hochfest angesehen haben und sich fühlen, als sei es durch diesen Artikel für Sie entmystifiziert worden, so grämen Sie sich nicht – das Wissen um die historischen Ursprünge von Weihnachten ändert schließlich nichts an der spirituellen Kernbotschaft des Festes. Oder, um es mit den Worten Edgar Cayces zu sagen:

Es gab niemals eine Zeit,
in der es keinen Christus und
kein Weihnachten gab.

Edgar Cayce, Reading-Nr. 262-103

Die Herkunft von Weihnachten

Eines steht fest: Wir wissen nicht, wann Jesus Christus geboren wurde. Die Bibel selbst liefert keinerlei Anhaltspunkt, ja, nennt noch nicht einmal eine Jahreszeit. Das frühe Christentum vermutete die Geburt des Messias teilweise im Mai, teilweise im März; auch Epiphanias, der 6. Januar, war und ist neben dem 25. Dezember ein oft genanntes Geburtsdatum. All diese Daten gehen zurück auf theoretische Überlegungen und Berechnungen durch Gelehrte, lassen sich aber unmöglich nachprüfen.

Das Jahr des ersten Weihnachten lässt sich ebenso wenig konkret bestimmen. Das liegt unter anderem daran, dass unser Weihnachten, wie wir es heute kennen, sich aus verschiedenen Elementen zusammensetzt, die sich erst im Lauf der Geschichte zu einer Gesamtheit gefügt haben. Ausschlaggebend für die europa- und später weltweite Verbreitung des Weihnachtsfestes ist das Römische Reich, das auch maßgeblich für die Verbreitung des christlichen Glaubens war und den 25. Dezember spätestens 336 zum kirchlichen Feiertag erhob. Doch um die Herkunft von Weihnachten wirklich zu verstehen, müssen wir uns die verschiedenen Wurzeln dieses Festes ansehen:

Die Wintersonnenwende: die astronomische Grundlage von Weihnachten

Die Wintersonnenwende ist ein jährliches astronomisches Ereignis, das auf der Nordhalbkugel unserer Erde am 21. oder 22. Dezember des heute gebräuchlichen Kalenders stattfindet. Es handelt sich bei ihr um den kürzesten Tag und die längste Nach des Jahres. Auf dem Jahresrad steht ihr die Sommersonnenwende im Juni gegenüber; auf halbem Wege zwischen den beiden Sonnenwenden finden im März und September Tag-und-Nach-Gleichen statt, an denen sowohl Tag als auch Nacht genau zwölf Stunden dauern. Durch archäologische Funde wie beispielsweise Stonehenge wissen wir, dass Menschen schon in prähistorischer Zeit in der Lage waren, diese Wendepunkte des Sonnenkreislaufs verlässlich zu bestimmen.

Die Sonnenwenden müssen für die Menschen früherer Zeiten extrem wichtige Tage gewesen sein. Ihr gesamter Jahreszyklus und mit ihm die Verfügbarkeit von Nahrung hingen von der Sonne ab. So lassen sich auch die Rituale, Feste und Kulthandlungen erklären, die verschiedenste Kulturen, oft unabhängig voneinander, zu den Sonnenwenden zelebriert haben und teilweise noch heute zelebrieren. Je extremer der Unterschied zwischen Sommer und Winter erlebt wurde, umso wichtiger waren die Sonnenwenden tendenziell für eine Kultur.

Interessanterweise fällt das Datum der Wintersonnenwende im julianischen Kalender, der von Gaius Iulius Caesar im Alten Rom eingeführt und erst in der Neuzeit sukzessive vom heute gebräuchlichen gregorianischen Kalender abgelöst wurde, genau auf den 25. Dezember. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass sich Weihnachten (zumindest terminlich) tatsächlich an der Sonnenwende im Dezember orientiert. Möglicherweise versuchte man bewusst, ein in der Bevölkerung bereits bekanntes Festdatum christlich umzudeuten.

Weihnachten im alten Rom

Wie Sie sicherlich wissen, verehrten die Römerinnen und Römer der Antike ihr eigenes, eng mit dem griechischen verwandtes Pantheon – zumindest bis zur Christianisierung des römischen Reiches im vierten Jahrhundert. Nachdem das Christentum jahrhundertelang von der römischen Regierung verfolgt und seine Anhänger/innen getötet worden waren, wurde es ab 313 toleriert und gegen Ende des Jahrhunderts zur alleinigen Staatsreligion Roms erhoben. Doch auch in vorchristlicher Zeit kannte das Alte Rom wichtige Feierlichkeiten, die Ähnlichkeiten mit Weihnachten aufweisen.

Zu nennen sind einerseits die Saturnalien. Diese Feierlichkeiten zur Beendigung der Winteraussaat umfassten oft mehrere Tage und zeichneten sich aus durch die Aufhebung der Standesunterschiede zwischen Herr und Sklave, öffentliche Festmahle und kleine Geschenke der Menschen untereinander. Der Termin der Saturnalien lag immer in der zweiten Dezemberhälfte, meist um den 20. Dezember.

Größeren Einfluss hatte wohl aber das Fest des Sol Invictus (manchmal auch Mithras genannt) – der “unbesiegten Sonne”. Dieser römische Sonnengott wurde von vielen als höchster und wichtigster Gott verehrt. Insbesondere Kaiser Aurelian, der im 3. Jahrhundert lebte, sah in ihm seinen persönlichen Schutzherrn und förderte den Kult um ihn. Forscherinnen und Forscher haben seine Bedeutung im damaligen römischen Glaubenssystem mit der Position Jesu im Christentum verglichen. Als Ehrentag des Sol Invictus feierte man seinen überlieferten Geburtstag am 25. Dezember – dem Tag der Wintersonnenwende.

Das Julfest

Wer sich mit den Wurzeln des Weihnachtsfestes beschäftigen will, kommt um das Julfest nicht herum. Es handelt sich dabei um ein nordisches Winterfest, das oft mit der Wintersonnenwende oder um sie herum datiert wird. Das Julfest steht in enger Verbindung mit der Wilden Jagd – einem, so die Überlieferung, übernatürlichen Zug am Nachthimmel, der in den Rauhnächten über das Firmament jagt und bis heute Teil europäischer Folklore ist.

Noch heute tragen viele nordeuropäische Sprachen Zeugnis des Julfestes, indem sich ihre Bezeichnungen für Weihnachten etymologisch auf das Wort jul zurückführen lassen. Und auch viele skandinavische Weihnachtstraditionen sind anscheinend aus der Jul-Tradition entstanden. Dennoch ist das Julfest wohl eher kein Vorläufer unseres heutigen Weihnachten. Wahrscheinlicher ist, dass sich Jul und Weihnachten in den Traditionen Nordeuropas vermischten, als das Christentum die entsprechenden Gebiete erreichte.

Weihnachten im Mittelalter

Im Verlauf des europäischen Mittelalters festigten sich die Traditionen des Weihnachtsfestes bzw. bildeten sich heraus. Mit dem Ende des Mittelalters waren das Christentum und damit das christliche Fest Weihnachten überall in Europa bekannt und etabliert. Auch unser Name für das Fest, “Weihnachten”, stammt aus dem Mittelalter: ab 1170 lässt sich der mittelhochdeutsche Begriff wîhe naht belegen, der sich in etwa mit “heilige Nacht” oder “geweihte Nacht” ins heutige Hochdeutsch übersetzen lässt. Andere Sprachen haben andere Worte für das Fest zu Ehren Jesu Geburt gefunden. Neben der Benennung nach dem nordischen Julfest, die sich vor allem in Skandinavien findet, existieren auch Namen wie “Christtag” oder “Christmesse” (engl. Christmas).

Die Ursprünge unseres weihnachtlichen Brauchtums

Zu Weihnachten gehören für uns viele Dinge: Plätzchen, Tannenbäume, Krippen, Geschenke, Adventskalender … Während wir uns den Ursprung mancher dieser Bräuche, wie des Weihnachtsmarktes, leicht selbst herleiten können, scheinen andere Bräuche scheinbar aus dem Nichts gekommen zu sein. Und auch die offenbar leicht zu erklärenden Traditionen haben manchmal einen ungeahnten Hintergrund, der erst offensichtlich wird, wenn man sich eingehender mit ihnen beschäftigt. Deswegen wollen wir Ihnen im Folgenden einen kleinen Überblick über die Herkunft und Geschichte einiger der bekanntesten Weihnachtsbräuche und -traditionen in Deutschland geben.

Die Tradition des Schenkens

Die weihnachtliche Tradition des Schenkens wird von Kindern oft freudig und ungeduldig erwartet, von Erwachsenen aufgrund von Stress und Kosten hingegen meist verflucht. Geschenke sind heutzutage ein zentrales Element unseres Weihnachtsfestes – wohl nicht zuletzt, weil sie der Teil von Weihnachten sind, aus dem sich am meisten Kapital schlagen lässt. In früheren Jahrhunderten war das Schenken freilich weniger kapitalistisch unterfüttert. Außerdem waren es nur die Kinder, denen geschenkt wurde, und nicht etwa alle Mitglieder der Familie, wie es heute der Fall ist.

Der Brauch des Schenkens hat ursprünglich wohl gar nichts mit Weihnachten an sich zu tun, auch wenn die Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe, die die Weisen aus dem Morgenland der Überlieferung nach für den neugeborenen Jesus brachten, das vielleicht nahelegen. Stattdessen scheint dieser Brauch auf Sankt Nikolaus zurückzugehen – den Heiligen Nikolaus von Myra, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist und der als Schutzpatron der Kinder gilt. Ihm zu Ehren gibt es bis heute den Brauch, den Kindern in der Familie am 6. Dezember kleine Gaben zu geben.

Im Mittelalter war der Nikolaustag der einzige Tag, an dem man anderen etwas schenkte; die Geschenketradition zu Weihnachten existierte noch nicht. Eingeführt wurde sie von keinem Geringeren als Martin Luther. Bekanntermaßen lehnte Luther die Heiligenverehrung in der katholischen Kirche ab – und entsprechend forderte er, dass das winterliche Schenken nicht mehr zu Ehren des Heiligen Nikolaus am Nikolaustag stattfinden solle, sondern zu Ehren Jesu selbst an dessen Geburtstag: Weihnachten. Die Kinder sollten das Weihnachtsfest statt den Nikolaustag freudig erwarten lernen, und statt dem Heiligen Nikolaus sollte nun das Christkind die Gaben bringen. Unter Katholiken behielt man allerdings den Nikolaustag als Geschenke-Tag bei, und so konkurrierten eine Weile die Traditionen miteinander, ehe sie sich schließlich beide durchsetzten und zu unserem heute üblichen Brauchtum führten.

Das Christkind

Wie bereits erwähnt, war es Martin Luther, der versuchte, den Heiligen Nikolaus als Geschenkebringer vom Christkind ablösen zu lassen. Der Reformator dachte dabei allerdings noch nicht an den blonden Engel, der beim Wort “Christkind” wahrscheinlich vor Ihrem inneren Auge auftaucht. Für ihn war es der “heilige Christ”, der den Kindern zu Weihnachten Geschenke bringen sollte – also Jesus höchstselbst, vielleicht in kindlicher Gestalt (immerhin feiert man an Weihnachten ja seine Geburt), aber nichtsdestotrotz der Messias. Unter der Bezeichnung “Christkind” verselbstständigte sich die Idee der neuen geschenkebringenden Gestalt jedoch über die Jahrhunderte und die ursprüngliche Verbindung zu Jesus wurde immer schwächer. Heute wird das Christkind meist nicht mal mehr als männlich dargestellt. Außerdem hat es sich ironischerweise vor allem in den katholisch geprägten Gegenden im Süden Deutschlands durchgesetzt.

Der Weihnachtsmann

Heute ist die geschenkebringende Konkurrenz des Christkindes nicht mehr der Heilige Nikolaus, sondern der Weihnachtsmann. Aber sind Nikolaus und Weihnachtsmann wirklich zwei verschiedene Gestalten? So einiges am Weihnachtsmann erinnert an die Darstellungen des heiliggesprochenen Bischofs: beide sind sympathische ältere Herren mit Rauschebart, beide gelten als kinderlieb und bringen den Kleinen Geschenke – und in manchen Sprachen haben sie sogar verblüffend ähnliche Namen, so heißt der Weihnachtsmann beispielsweise auf Englisch Santa Claus. Wahrscheinlich also ist der Weihnachtsmann ganz einfach, was die Jahrhunderte und die Folklore aus der Figur des Heiligen Nikolaus gemacht haben.

Der Konzern Coca-Cola wird häufig mit dem Weihnachtsmann in Verbindung gebracht oder sogar für dessen Entstehen verantwortlich gemacht. Das liegt an der weihnachtlichen Werbekampagne der Firma, die seit 1931 alle Jahre wieder den Weihnachtsmann als Coca-Cola-Konsumenten zeigt und zu den langlebigsten, größten und erfolgreichsten Werbeaktionen der Geschichte gehört. Allerdings hat Coca-Cola den Weihnachtsmann nicht erfunden, sondern ihm lediglich das Coca-Cola-Rot als Mantelfarbe geliehen und ihn international bekannt gemacht. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Darstellungen des Weihnachtsmannes, die ihn allerdings noch mit unterschiedlichsten Mantelfarben wie weiß, blau, grün oder eben rot zeigten.

Die Weihnachtskrippe

Die meisten Kinder kennen das Wort “Krippe” nur im Zusammenhang mit Weihnachten, wo es den umfunktionierten Futtertrog bezeichnet, in den Jesus nach seiner Geburt gebettet worden sein soll – und im übertragenen Sinne eben auch die figürliche Darstellung dieser Szene. Eine Krippe aufzustellen, um die Szene der Weihnachtsgeschichte vor Augen zu haben, ist ein Brauch, der auf den Heiligen Franz von Assisi zurückgeführt wird und seit 1223 existieren soll. Der Heilige Franz von Assisi hat, so ist es überliefert, noch keine Figuren, sondern lebende Menschen und Tiere für seine Darstellung genutzt – die erste Weihnachtskrippe kam wohl also eher einem Krippenspiel nahe als dem, was wir heute als Weihnachtskrippe kennen.

Damit erinnert die Weihnachtskrippen-Tradition stark an den generell im Mittelalter weit verbreiteten Brauch, biblische Szenen schauspielerisch nachzustellen. Besonders gerne wählte man Szenen aus dem Leben Jesu wie z. B. seine Passion und Auferstehung. Derartige Darstellungen waren kein lokal begrenztes Phänomen: unter der Bezeichnung mystery play oder miracle play kennt man sie noch heute auf den britischen Inseln, wo sie im Mittelalter unmittelbare Vorläufer der elisabethanischen Theaterkultur und damit von weltbekannten Stücken wie “Romeo und Julia” oder “Hamlet” waren. Auch in Deutschland existieren bis heute Festspiele, bei denen Szenen aus dem Leben Jesu aufgeführt werden.

Der Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsbaum ist als Weihnachtsbrauch tatsächlich made in Germany – und überdies noch sehr jung. Dabei ist die Idee, sich immergrüne Pflanzen oder Pflanzenteile in die eigenen vier Wände zu holen, ausgesprochen alt. Da immergrüne Pflanzen auch im Winter grün bleiben, galten sie schon bei antiken Kulturen als Symbole für Leben, Fruchtbarkeit und Kraft. Insbesondere um die Wintersonnenwende, wenn Grün rar war, dekorierte man je nach lokaler Vegetation mit Lorbeer, Tanne und Co., um Götter zu ehren, böse Geister zu bannen oder den Frühling bald heraufzubeschwören. Diese uralte Tradition muss sich irgendwie trotz Christianisierung im kollektiven Gedächtnis gehalten haben, denn durch das Mittelalter hindurch und auch aus der frühen Neuzeit sind immer wieder Weihnachtsbäume überliefert – allerdings nur vereinzelt. Zum Massen-Phänomen wurde der Weihnachtsbaum ab dem 18. Jahrhundert, als immer mehr Menschen ihn mit dem Weihnachtsfest zu verbinden begannen. Spätestens, als erst die evangelische, dann die katholische Kirche den Brauch übernahmen und die beginnende kapitalistische Wirtschaftsweise es möglich machte, ganze Städte zur Weihnachtszeit mit Nadelbäumen zu versorgen, war die Bahn für den Weihnachtsbaum frei, sich von Deutschland aus weltweit zu verbreiten.

Der Adventskranz

Während die konkreten Ursprünge des Weihnachtsbaums im Dunkeln liegen, lassen sie sich im Fall des Adventskranzes umso präziser benennen. Sein Erfinder war Johann Hinrich Wichern, der 1839 die Idee hatte, 24 Kerzen (20 kleine und 4 große für die Adventssonntage) auf einen immergrünen Kranz zu setzen und jeden Tag eine weitere anzuzünden. So wollte er Straßenkindern das Warten auf Weihnachten erleichtern – im Prinzip also eine Art Adventskalender.

Auf heutigen Adventskränzen finden sich nur noch die vier großen Kerzen für die Adventssonntage. Aber auch der Wichernkranz, also der Adventskranz nach dem Stil Johann Hinrich Wicherns, findet heute noch manchmal Anwendung in öffentlichen Institutionen. Dabei variiert die Anzahl der Kerzen, denn gezählt wird immer ab dem ersten Advent, nicht ab dem ersten Dezember.

Der Adventskalender

Etwas jünger als der Adventskranz ist der Adventskalender als Weihnachtsbrauch. Obwohl die bunten, kreativen und manchmal ausgesprochen hochpreisigen Adventskalender heute nicht mehr wegzudenken sind, hatten sie um 1850 ein eher unscheinbares Debüt. Die frühen Adventskalender waren alle selbstgemacht und enthielten noch keine Überraschungen, sondern dienten der Visualisierung der verbleibenden Zeit bis Weihnachten. So wurde – je nach Familie und Tradition – jeden Tag ein weiteres Bild aufgehängt, ein weiterer Strohhalm für Jesus in die Krippe gelegt, die Adventskalender-Kerze bis zur nächsten Markierung abgebrannt oder eine vergleichbare Tätigkeit durchgeführt.

Um 1900 wurde dann der Buchhandel auf die Adventskalender aufmerksam und begann, gedruckte Adventskalender zu vertreiben, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. Die heute übliche Form mit exakt 24 Türchen setzte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig durch, als Adventskalender sich nach dem entbehrungsreichen Krieg erneut größter Beliebtheit erfreuten. Zuvor hatten die Adventskalender durch die Adventssonntage teilweise mehr oder weniger Türchen gehabt. Zusammen mit Nikolaustag und Weihnachten bildet der Adventskalender, der heute meist richtige kleine Geschenke und nicht nur Bilder enthält, die Dreieinigkeit des Schenkens im Dezember.

Spruch
des Tages