Inspirationen auf dem Lebensweg
Frau, die im Yoga-Sitz in einer schönen Landschaft sitzt

Yoga - seine Ursprünge, Wurzeln und Strömungen

Text von Marion Schoone    www.marion-schoone.de

Yoga ist ein mehrere tausend Jahre altes Übungssystem. Eines, das in dieser langen Zeit viele Veränderungen erfahren hat und je nach Epoche unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt hat. Verschiedene Strömungen haben sich entwickelt.

Yoga und der Tatort-Kommissar an der Saar

In Saarbrücken wird fleißig Yoga geübt, der Tatort-Kommissar an der Saar führt die Yoga-Haltung „Der Baum“ aus. Damit hat er etwas mit vielen Bundesbürgern gemeinsam: Jeder hat schon einmal etwas von Yoga gehört, und etwa 5 Millionen Bundesbürger/innen üben regelmäßig.

Im Tatort bewirkt Yoga scheinbar reine Wunder – und seien wir mal ehrlich: Ist der Kommissar nicht ganz so, wie sich viele einen Yoga-Übenden vorstellen? Zumindest ein kleines bisschen sonderbar, oder?

Leider kann man viel Wundersames über Yoga lesen, hören und sehen. Der oft und gerne dargestellte, akrobatisch anmutende Sonnengruß lockt die Ehrgeizigen und Sportlichen. Immer und ewig lächelnde Yoga-Übungsleiter sorgen für gute Stimmung und machen Hoffnung darauf, doch endlich das halb volle Glas zu entdecken. Ist dies Yoga?

Die Wurzeln des Yoga - Setzling als Symbol dafür

Yoga und seine Wurzeln

In seinen Ursprüngen ist Yoga in die Zeit der Stammeskulturen vor ca. 8.000 Jahren anzusiedeln. Schamanen, Neshi oder Jagri nennt oder nannte man die Menschen, die, häufig neben dem Jagen und Sammeln und später neben Ackerbau und Viehzucht, die Verantwortung für die Gesundheit eines Stammes trugen. Es galt, die Gesundheit der einzelnen zu fördern oder wiederherzustellen, Probleme zu lösen und Schmerz und Unheil vom Stamm abzuwenden.

Um diese zentrale Aufgabe zu erfüllen, bedarf es einiger Kernkompetenzen: Zusammenhänge erkennen, lernfähig sein, offen sein für die übrigen Mitglieder des Stammes und selbst gesund sein gehören dazu. Auf eine solche Verantwortung wird ein Schamane vorbereitet, und Meditation sowie Körper-Übungen sind ein Bestandteil der Ausbildung. Hier liegen womöglich die ersten Wurzeln des Yoga.

Yoga als Verbindung zur Wirklichkeit

Wenn wir Yoga (aus dem Sanskrit) mit Verbinden übersetzen wollen – und dies ist eine mögliche Übersetzung -, dann kann man festhalten, dass in diesem Fall die Verbindung zur Wirklichkeit gesucht und gefördert wird. Nur wer die Wirklichkeit so gut wie möglich erfasst, kann sie gestalten, kann sie annehmen. Mit Verbinden kann ebenfalls das Erkennen meiner Mitwelt und meiner Mitmenschen verstanden werden. Auch den Blick klären für das Wesentliche kann darunter fallen.

Tatsächlich nimmt das Bild des Yoga das bäuerliche Bild des Jochs auf, das Mensch und Tier verbindet, um den Boden fruchtbarer zu machen. Dieses Bild kann sehr hierarchisch gedeutet werden, so als müsste man im Yoga etwas bezwingen, um ein Ziel zu erreichen.

Ich bevorzuge für das Yoga – ganz ein Kind unserer Zeit – eine weniger autoritäre Interpretation: Um mit einem Gegenüber zu kooperieren oder mit ihm ein Ziel zu erreichen, ist das Verstehen die Voraussetzung. Nur so bewegen sich beide in die gleiche Richtung und synchron.

Im Yoga übe ich mich im Verstehen: Meiner Stimmungen, innerkörperlichen Abläufe, meiner Bedürfnisse und Beweggründe und die meiner Mitmenschen, um gemeinsam ein fruchtbares Leben zu erfahren.

Zu Beginn des Yoga und bis ins 20. Jahrhundert waren es nur wenige in einer Gesellschaft, die Yoga ausführen durften. Heute in der westlichen Welt ist Yoga alles andere als elitär. Was hat dieses alte Übungssystem uns oder einem Tatort-Kommissar an der Saar heute noch zu bieten?

Hatha-Yoga – Balance statt Stress

Yoga wirkt auf verschiedenen Ebenen. Die Übungen aus dem Hatha-Yoga wirken über die Arbeit mit der Muskulatur auf unser Nervensystem und den Hormonhaushalt und flexibilisieren so die Regelprozesse in uns. Inflexibel werden sie zum Beispiel durch Stress. Und da ist eine Verbindung zu den Wurzeln des Yoga: Stress kannten auch unsere Vorfahren.

Die Stressoren, also Stressauslöser, waren in der späten Steinzeit natürlich andere, die Reaktionen auf Stress sind heute aber die gleichen wie in der Steinzeit: Wir reagieren mit Kampf-, Flucht oder Schutzreflexen, um eine bedrohliche Situation schnell und gut zu bewältigen.

Yoga und die Balance: das vegetative Nervensystem

Es wird viel über Stress geschrieben, daher werde ich an dieser Stelle dieses Thema nicht vertiefen. Nur so viel: Parasympathikus und Sympathikus sind Teile des vegetativen Nervensystems und steuern die autonomen Prozesse in unserem Innern – Vorgänge, auf die wir keinen willentlichen Einfluss haben.

Yoga und Parasympatikus
Foto: © Henrie - Fotolia.com

Wenn wir entspannt sind oder Kraft einsetzen ohne Stress, sind beide Aspekte im Gleichgewicht. Der Parasympathikus dominiert bei Entspannung. Sind wir aktiv, verfolgen ein Ziel ohne Zeitdruck und mit dem Gefühl von Kompetenz, so kommt der Sympathikus stärker ins Spiel.

Der Kreislauf beispielsweise versorgt Muskeln und Organe bei Entspannung anders als bei stressfreier Aktivität. Allein der Übergang vom Liegen zum Stehen bewirkt, dass die Skelettmuskulatur stärker durchblutet und die Durchblutung der Verdauungsorgane verringert wird, um ein konkretes Beispiel zu nennen. Der sympathische Anteil des Nervensystems regelt diesen Vorgang. Haben wir Stress, so übersteuert der Sympathikus. Dies ist ein wichtiger Vorgang, um das Leben und Überleben zu sichern. Ist die Situation bewältigt, kommt die sympatikotone Reaktion wieder zurück auf ein stressfreies Niveau. Diese biologischen Vorgänge sind über die Jahrtausende hinweg unverändert.

Die Übersteuerung des Sympathikus ist nur eine kurzfristig angelegte Reaktion, bleibt der Stress und die entsprechende Übersteuerung des Sympathikus, dann fügt das der Gesundheit Schaden zu. Auch wird die Wahrnehmung verengt. Es wird deutlich, dass ein Mensch im Dauerstress weder gesund lebt, noch in der Lage ist, Situationen so wirklichkeitsnah wie möglich zu begegnen, um sie zu bewältigen.

Dauerhafte Anspannung, wie sie durch Stress hervorgerufen werden kann, kann die Muskulatur verhärten, den Kreislauf auf hohem oder niedrigem Niveau erstarren lassen, die Atmung verflachen. Je nach Reaktion auf den Stress kann die Störung auch auf der Ebene der Organe erfolgen.

Haltungen haben das Potenzial, die Kampf-, Flucht oder Schutzreflexe, die wir im Stress ausfahren und im Dauerstress etablieren, durch sorgfältigen und behutsamen Einsatz der Muskeln zu lösen. So einfach ist das Prinzip. So wenig wundersam. Und doch sind die Erfahrungen, die wir in den Yoga-Übungen machen, beeindruckend und berührend.

Marma-Yoga – Sinn der Marmas im Yoga

Im Yoga nehmen wir Yoga-Haltungen ein. Im Marma-Yoga, einer Yoga-Richtung in der vielfältigen Welt des Hatha-Yoga, führen wir die Haltungen sorgfältig und behutsam aus: um die Marmas in den Übungen zu erreichen.

Die Marmas im Yoga

Marmas spielen in der ayurvedischen Lehre vom langen Leben eine Rolle. Es sind schmerzempfindliche Körperorte, die deshalb schmerzempfindlich sind, weil sie über unser gesundheitliches Gleichgewicht wachen. Sie können uns Auskunft darüber geben, inwieweit der Körper sich in seinem Zusammenhalt bedroht fühlt. Sie werden auch Wach- und Warnposten oder Wächter genannt. Doch was genau bewachen sie eigentlich?

Ayurveda – die Lehre vom Zusammenhalt

Hände, die im Rhythmus auf Trommeln klopfen
© Foto: Christian Seidel / pixelio.de

Wir sind eine Welt voller Rhythmen in einer Welt voller Rhythmen. Der Schlüssel zum Überleben und Leben liegt in einer Abstimmung der Rhythmen untereinander. Der Wechsel zwischen Tag und Nacht, Hell und Dunkel, ist einer der äußeren Rhythmen, die uns begleiten.

Menschen im Schichtwechsel und immer arbeitende Kommissare ausgenommen, sind wir tagsüber aktiv und erholen uns in der Nacht. Woher aber weiß Ihre Leberzelle eigentlich, dass es Tag oder Nacht ist? Oder ist bei Ihrer Leberzelle eigentlich Nacht während Sie sich verhalten als wäre es Tag (weil es Tag ist, zum Beispiel)? Oder Ihr Herz?

Unsere Organe haben ihre eigenen Uhren. Die verschiedenen Körperuhren gilt es harmonisch abzustimmen und darüber hinaus noch mit unserem Verhalten in Einklang zu bringen. Stimmen unsere inneren Rhythmen mit dem überein, wie wir uns rhythmisch verhalten? Besteht ein Zusammenhalt oder fallen die Rhythmen auseinander?

Es kann also Unterschiede zwischen innerem „Verhalten“ und äußerem Verhalten, inneren Haltungen und äußerer Haltungen geben. Auch wenn zur Zeit der Entwicklung von Ayurveda oder der Entdeckung der Marmas die Wissenschaft der Chronobiologie noch nicht existierte, kannte man die Hinweise auf das Auseinanderfallen von inneren und äußeren Abläufen. In der Chronobiologie spricht man von Desynchronisierung.

Die Marmas und die Yoga-Haltungen

Die Marmas geben in den Yoga-Haltungen unter anderem Auskunft darüber, inwieweit wir unsere inneren Rhythmen mit dem äußeren Verhalten in Einklang bringen oder wir derzeit desynchron leben.

In den Yoga-Haltungen üben wir uns darin, eine äußere Haltung einzunehmen. Viel wichtiger aber ist die Frage, inwieweit diese Haltung durch die inneren Prozesse unterstützt wird oder nicht. Wir üben so, dass innere und äußere Haltung zueinanderfinden können. Tun sie es? Finden alle Rhythmen harmonisch zueinander, dann kann sich Wohlbefinden einstellen.

In meinem weiteren Artikel Yoga-Übung: die halbe Brücke können Sie das am praktischen Beispiel einer Yoga-Übung direkt ausprobieren:

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