In dieser Silvestergeschichte bleibt die Zeit plötzlich stehen – genau in dem Moment, in dem alle den Countdown zur Mitternacht rufen. Zwei Kinder klettern in den Bauch einer alten Standuhr, treffen dort eine verschlafene Zeitfee und müssen dafür sorgen, dass das neue Jahr überhaupt beginnen kann.
Die Geschichte eignet sich wunderbar für Grundschulkinder, die an diesem Abend länger aufbleiben dürfen. Sie können sie gemeinsam vor Mitternacht vorlesen – gemütlich auf dem Sofa, zwischen Knabbereien und Kinderpunsch – und so die aufregende Wartezeit bis zum großen „Drei, zwei, eins!“ überbrücken. Während draußen schon die Raketen bereitliegen, reisen die Kinder in der Geschichte für einen Moment „zwischen die Sekunden“ … und vielleicht fragen sich die Zuhörer*innen am Ende, was wohl in ihrer eigenen Uhr los ist 😉
Unten auf der Seite gibt es die Silvestergeschichte „Die verschwundene Mitternacht“ als PDF zum Download.
Steckbrief zur Fantasy-Geschichte, in der es einfach nicht Mitternacht werden wollte
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Die verschwundene Mitternacht“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Fantasy-Geschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Silvesterbrauch | Etwas ältere Kinder dürfen an Silvester länger aufbleiben, gemeinsam wird der Countdown bis Mitternacht gezählt. |
| Themen | Zeit und Jahreswechsel, Verantwortung übernehmen, Mut, Geschwisterzusammenhalt, Fantasie (Zeitfee, Standuhr), Spannung rund um Mitternacht |
| Botschaften | Kinder können selbst etwas bewirken und „Helden“ sein, auch wenn Erwachsene nichts davon mitbekommen. |
| Zeit ist kostbar – jede Sekunde kann wichtig sein. | |
| Mit Zusammenhalt und Einfallsreichtum lassen sich scheinbar festgefahrene Situationen wieder in Bewegung bringen. |
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Die verschwundene Mitternacht
Es war Silvesterabend. Im Wohnzimmer von Lara und Ben tippte die alte Standuhr langsam auf Mitternacht zu. „Noch zwei Minuten!“, rief Ben und presste die Nase ans Fenster. Draußen zischten schon die ersten Raketen in den Himmel.
„Wir bleiben diesmal wirklich bis zwölf wach!“, flüsterte Lara. Sie legte ihre Hand auf die von Ben, genau in dem Moment, als die Standuhr einmal leise klack machte.
Plötzlich verstummte das Ticken.
Der Sekundenzeiger blieb in den allerletzten Sekunden vor Mitternacht stehen. Draußen froren die bunten Funken einer Rakete mitten in der Luft ein, als hätte jemand auf Pause gedrückt. Im Fernsehen blieb der Moderator mit offenem Mund stehen. Papas Glas hörte mitten im Hochheben auf, in der Luft.
„Äh … das ist nicht normal“, murmelte Ben fassungslos.
Lara schnipste vor Papas Gesicht. Er reagierte nicht. Auch Mamas Lächeln war eingefroren. Nur Lara und Ben konnten sich noch bewegen.
„Warum wir?“, wunderte sich Ben.
Lara blickte auf ihre Hand, die immer noch seine hielt. „Vielleicht, weil wir die letzten waren, die sich bewegt haben, als die Zeit stehen blieb. So … zwischen zwei Sekunden. Wie in einem Spalt dazwischen.“
Da hörten sie ein leises Seufzen aus der Standuhr.
Vorsichtig öffnete Lara die Glastür. Statt nur Pendel und Gewichte zu sehen, entdeckten sie eine grüne Leiter aus Zahnrädern, die sich nach oben in einen dunkelblauen Sternenhimmel schraubte.
„Wenn die Zeit angehalten ist, dann wohl hier drin“, sagte Lara. „Komm, wir schauen nach.“
Sie kletterten die Zahnräder hinauf. Die Luft roch nach Metall und Staub, und zwischen den grünen Zahnrädern funkelten kleine Lichter, als hätte jemand Sterne in die Uhr gelegt.
Ganz oben, auf einem großen grünen Zahnrad, lag ein Mädchen zusammengerollt und schlief.
Ihre goldenen Haare flossen wie ein Wasserfall um sie herum, ihr blaues Kleid war voller kleiner Sterne. In ihren Armen hielt sie ein Zahnrad, fest an sich gedrückt – wie ein Kuscheltier.
„Die Zeitfee“, hauchte Ben.
Sie schnarchte leise. „Nur … noch eine Sekunde…“, murmelte sie im Schlaf.
„Sie umarmt ein Zeit-Zahnrad“, stellte Lara fest. „Solange sie es festhält, bewegt es sich nicht. Und solange es sich nicht bewegt, bleibt alles stehen.“
„Dann müssen wir sie wecken“, beschloss Ben. „Zeitfee!“, rief Ben. „Du verschläfst Silvester! Die Menschen warten auf Mitternacht!“
Keine Reaktion.
Lara dachte nach. „Was weckt mich immer? Lärm. Und … Erinnerungen.“ Sie stellte sich dicht an das Ohr der Zeit-Fee.
„Hey, Zeit-Fee! Weißt du noch dieses Jahr, als wir zum ersten Mal ohne Stützräder Rad gefahren sind? Und als wir im Sommer alle zusammen im See waren? Und als wir im Winter eine Schneeburg gebaut haben?“
Ben machte mit. „Und als Oma so lachen musste, dass ihr Gebiss im Kakao gelandet ist?“
Die beiden Kinder lachten so laut, dass ihre Stimmen zwischen den Sternen widerhallten. Sie erzählten all ihre Lieblingsmomente des Jahres, einer nach dem anderen, bis es fast wie ein kleines Feuerwerk aus Erinnerungen klang.
Mit jeder Erinnerung wurden die Sterne auf dem Kleid der Fee ein kleines bisschen heller. Schließlich zuckte sie mit der Nase, blinzelte und richtete sich verschlafen auf.
„Wer stört die Hüterin der Sekunden?“, gähnte sie. Dann riss sie die Augen auf. „Oh Schaltjahr und Stundensprung! Ich bin eingeschlafen!“
Sie sah auf das Zahnrad in ihren Armen. „Ich habe das Herz der Zeit geknuddelt … kein Wunder, dass alles stoppt.“
„Alle warten auf Mitternacht“, sagte Lara. „Und wir hängen … na ja … dazwischen.“
Die Zeitfee sah die Kinder erstaunt an. „Tatsächlich. Ihr seid im Sekundenspalt gelandet. Sehr selten. Mutig, dass ihr heraufgeklettert seid.“
Sie legte behutsam das Zahnrad zurück in die Halterung. „Dann wollen wir mal.“
Mit beiden Händen gab sie dem Zahnrad einen kräftigen Dreh.
Die grünen Zähne griffen ineinander, die Leiter vibrierte, die Sterne begannen wieder zu funkeln. Unten in der Ferne sahen Lara und Ben, wie sich die eingefrorene Rakete plötzlich weiterbewegte.
„Festhalten!“, rief die Fee. „Wenn die Zeit wieder anläuft, rutscht ihr zurück in eure Sekunde! Frohes neues Jahr – gleich!“
Ein Sog packte die Geschwister. Sie sausten die Zahnräder hinab, durch das Uhrengehäuse, zurück ins Wohnzimmer. Mit einem Plopp standen sie wieder auf dem Teppich, Hand in Hand.
Der Sekundenzeiger sprang los.
Im Fernsehen rief der Moderator: „… drei, zwei, eins – frohes neues Jahr!“ Die Standuhr schlug zwölf, draußen krachten die Raketen, und alles bewegte sich wieder.
Mama blinzelte, als wäre nichts gewesen. „Na, ihr zwei, aufgeregt?“
Lara und Ben sahen sich kurz verschwörerisch an. „Eigentlich gar nicht so sehr“, meinte Lara unschuldig. „Hauptsache, es ist jetzt zwölf.“
Lara blickte zur Standuhr. Für einen winzigen Moment glaubte sie, oben zwischen den Zahnrädern eine kleine Gestalt im Sternenkleid zu sehen, die ihnen zuzwinkerte.
Dann war es wieder nur eine ganz normale Uhr. Na ja – so normal, wie eine Uhr eben sein kann, in der eine Zeitfee manchmal ein Zahnrad als Kuscheltier benutzt.
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