Mäuschen Mika und das Käserätsel - Adventsgeschichte

Mäuschen Mika und das Käserätsel – Adventsgeschichte

VON Betina Graf

Mäuschen Mika und das Käserätsel - Adventsgeschichte

Manche Dinge wissen wir einfach. Oder zumindest glauben wir das. Mäuse lieben Käse, zum Beispiel. Das sieht man schließlich in Bilderbüchern, Zeichentrickfilmen und auf unzähligen Bildern. Das Mädchen Lina hat nun sogar die Gelegenheit, diese alte Mäuseweisheit selbst zu überprüfen. Denn hinter der Schrankwand im Wohnzimmer lebt tatsächlich eine kleine Maus. Noch kennt Lina weder ihren Namen noch weiß sie besonders viel über sie. Aber das soll sich an diesem Tag ändern.

Mit einem Stück Käse beginnt ein kleines Experiment, bei dem nicht nur Lina etwas dazulernt. Und Mäuschen Mika? Der hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, was ein wirklich gutes Mäuseessen ist.

Mäuschen Mika und das Käserätsel – Adventsgeschichte

Mäuschen Mika und das Käserätsel

Beim Frühstück kam Lina auf eine Idee, und schuld daran war ein Stück Käse. Es lag auf ihrem Teller neben einem halben Brötchen, hellgelb und mit ein paar großen Löchern darin. Ihr Vater mochte diese Sorte besonders gern. Lina aß sie ebenfalls gern, normalerweise dünn geschnitten und mit Gurke darauf. Heute jedoch nahm sie das Käsestück zwischen zwei Finger und betrachtete es so eingehend, dass ihre Mutter irgendwann fragte, ob mit dem Käse etwas nicht stimme.

Lina schüttelte den Kopf. Mit dem Käse war alles in Ordnung. Sie dachte nur an die Maus.

Seit dem Vorabend ging ihr die Sache mit dem Schatten durch den Kopf. Erst hatte sie am 1. Dezember den winzigen Pfotenabdruck im roten Kerzenwachs entdeckt, am Tag darauf den riesigen Mäuseschatten an der Wohnzimmerwand. Später waren sogar eine kleine Pfote und die Spitze eines Schwanzes im Licht der Stehlampe aufgetaucht. Hinter der Schrankwand hatte es geraschelt, und als Lina sich davorgekniet hatte, war sie sich ganz sicher gewesen, dass dort jemand saß und sie beobachtete.

Eine Maus wohnte in ihrem Wohnzimmer.

Nun wollte Lina endlich herausfinden, womit sie den unbekannten Bewohner hervorlocken konnte. Mäuse mochten Käse. Das wusste doch jeder. In Bilderbüchern saßen Mäuse vor Käseecken, auf Geburtstagskarten hielten sie Käse in den Pfoten, und in Zeichentrickfilmen schleppten sie Stücke davon durch die Gegend, die beinahe größer waren als sie selbst.

Also musste an der Sache etwas dran sein.

Lina schnitt heimlich ein Stück von ihrem Käse ab, wickelte es in die Serviette, die neben ihrem Teller lag, und steckte es in die Hosentasche. Ihre Mutter bemerkte davon nichts. Der Vater allerdings sah, dass auf Linas Teller plötzlich weniger Käse lag, und wollte schon fragen, ob ihr heute ausnahmsweise besonders gut schmecke. Dann klingelte sein Handy, und der Käse geriet in Vergessenheit.

Hinter der Schrankwand ahnte Mika von all dem nichts. Er saß auf dem dunkelblauen Wollfaden, den er am Vortag gemeinsam mit seiner Mama ins Nest geschafft hatte, und fand noch immer, dass sich die ganze Mühe gelohnt hatte. Die Wolle lag weich unter seinen Pfoten und hielt den kalten Hauch ab, der manchmal durch eine schmale Ritze an der Fußleiste zog.

Seine Mama sortierte währenddessen die Vorräte. Ein paar Haferflocken lagen in einer Nussschale, daneben ein kleines Stück getrocknete Apfelschale und zwei Krümel vom Brot. Viel war es nicht, aber die Mäuse brauchten keine gefüllten Küchenschränke, um zufrieden zu sein.

Mika wollte gerade vorschlagen, dass man den Wollfaden noch ein wenig anders legen könnte, da hob er die Nase.

Etwas roch anders.

Er schnupperte ein zweites Mal und rückte näher an den Spalt zur Schrankwand. Der Geruch kam aus dem Wohnzimmer. Er war kräftig, ein wenig säuerlich und drängte sich so entschieden in Mikas Nase, dass er sie krauszog.

„Mama, riechst du das auch?“

Seine Mama hob kurz den Kopf. „Käse.“

Mika drehte sich erstaunt zu ihr um. „Das ist Käse?“

Natürlich hatte er von Käse gehört. Welches Mäusekind hatte das nicht? Immer wieder erzählten die älteren Mäuse davon, dass Menschen aus irgendeinem Grund überzeugt seien, Mäuse könnten beim Anblick eines Stücks Käse an nichts anderes mehr denken. Mika hatte sich deshalb etwas ganz Besonderes darunter vorgestellt. Etwas, das schon beim ersten Schnuppern sämtliche anderen Gedanken aus dem Kopf vertrieb.

Stattdessen roch es vor allem stark.

Sehr stark.

Mika schnupperte noch einmal und zog den Kopf zurück. „Ich dachte, Käse riecht besser.“

Seine Mama schob eine Haferflocke an den Rand der Nussschale. „Dann hast du offenbar zu viel über Käse gehört und zu wenig daran gerochen.“

Das wollte Mika genauer wissen. Er lugte durch den schmalen Spalt und sah sofort die kleine weiße Untertasse auf dem Teppich. Darauf lag ein Stück Käse. Lina musste es hingestellt haben, denn sonst stand mitten im Wohnzimmer nie eine Untertasse herum.

Mika wurde neugierig.

Dass der Käse für ihn bestimmt war, schien ihm ziemlich wahrscheinlich. Seit dem Schattenabenteuer wusste Lina schließlich, dass eine Maus hinter der Schrankwand wohnte. Vielleicht versuchte sie jetzt, Bekanntschaft zu schließen.

„Sie hat uns Frühstück hingestellt.“

Seine Mama kam neben ihn und betrachtete die Untertasse. „Uns?“

Mika sah sie an. „Na gut. Mir.“

Damit war er zufrieden.

Sie warteten, bis Lina zur Schule gegangen war. Ihre Mutter arbeitete im oberen Stockwerk, der Vater hatte das Haus bereits verlassen. Im Wohnzimmer blieb alles ruhig. Erst dann schlüpfte Mika hervor. Seit dem Kerzenabenteuer bewegte er sich auf freien Flächen vorsichtiger als früher. Er blieb beim ersten Tischbein stehen, lauschte, lief weiter und erreichte schließlich die Untertasse.

Aus der Nähe roch der Käse noch stärker.

Mika legte beide Vorderpfoten auf den Tellerrand und zog sich hinauf. Seine Mama blieb zunächst auf dem Teppich sitzen und beobachtete ihn. Mika ging einmal um das Stück herum, schnupperte an einer Ecke und setzte sich davor.

So recht wusste er nicht, was nun geschehen sollte.

„Probier ihn“, meinte seine Mama.

Mika biss ein winziges Stück ab. Er kaute langsam, hielt inne und kaute weiter. Anschließend saß er einige Sekunden da und sah den Käse an.

Seine Mama kannte ihren Sohn gut genug. „Und?“

Mika schluckte. „Ich verstehe nicht, warum alle so ein Aufheben darum machen.“

Nun kletterte auch seine Mama auf die Untertasse. Sie nahm einen kleinen Bissen, kaute und fand offenbar nichts daran auszusetzen. Jedenfalls nahm sie danach noch einen zweiten.

Mika beobachtete sie genau. „Dir schmeckt er.“

„Ganz ordentlich.“

„Dann stimmt es also doch.“

„Was soll stimmen?“

„Dass Mäuse Käse mögen.“

Seine Mama wischte sich mit der Pfote über die Schnurrhaare. „Ich mag diesen hier. Du offensichtlich weniger. Deine Tante Merle mochte früher besonders gern Apfel, und Großonkel Fips hätte für eine gute Portion Hafer sämtliche Käsestücke stehen lassen. Mäuse haben beim Essen ihren eigenen Kopf. Genau wie andere Leute.“

Damit war die Sache für sie erledigt.

Für Mika noch lange nicht.

Er betrachtete den Käse und dann die Schrankwand. Wenn sie das Stück einfach liegen ließen, würde Lina nach der Schule vermutlich denken, ihre Maus sei überhaupt nicht gekommen. Das erschien Mika unhöflich. Schließlich hatte sie sich Mühe gemacht.

„Könntest du noch ein bisschen davon essen?“

Seine Mama sah ihn an. „Warum?“

„Damit Lina merkt, dass wir hier waren.“

„Du möchtest also, dass ich deinen Käse esse, damit du dich bedanken kannst.“

Mika dachte kurz darüber nach. So ausgesprochen klang es tatsächlich ein wenig eigentümlich.

Seine Mama biss trotzdem noch eine winzige Ecke ab. Danach schob sie das Stück zurück an seinen Platz. Viel fehlte nun allerdings nicht. Wer genau hinsah, konnte die beiden kleinen Bissstellen erkennen.

„Das reicht“, entschied sie.

Mika war sich da weniger sicher, folgte ihr aber zurück ins Nest.

Gegen Mittag kam Lina aus der Schule. Mika erkannte schon im Flur, dass sie es eilig hatte. Die Haustür fiel zu, ihre Schultasche landete auf dem Boden, und kurz darauf erschienen ihre Beine im Wohnzimmer. Ohne Umweg ging sie zur Untertasse.

Mika lugte durch den Spalt.

Lina kniete sich hin und nahm das Käsestück in die Hand. Zuerst sah sie enttäuscht aus. Dann entdeckte sie die kleine angeknabberte Ecke.

„Aha“, murmelte sie.

Mika freute sich. Seine Mama dagegen betrachtete ihn von der Seite.

„Jetzt glaubt sie, du magst Käse.“ Daran hatte er bislang nicht gedacht.

Lina trug die Untertasse in die Küche. Mika hoffte, dass damit alles erledigt war. Vor allem war er froh, dass der kräftige Käsegeruch aus dem Wohnzimmer verschwand.

Doch Lina hatte inzwischen Forschergeist entwickelt.

Am Nachmittag kam sie zurück und stellte dieselbe Untertasse noch einmal auf den Boden. Dieses Mal lag ein kleineres Stück Käse darauf. Daneben befand sich eine einzige Haferflocke.

Mika sah sie sofort. Sie war groß, hell und an einer Seite ein wenig gebogen. Eine ausgezeichnete Haferflocke.

Er rückte so dicht an den Spalt, dass seine Schnurrhaare beinahe hinausstanden.

„Mama.“

„Ich sehe sie.“

Mika wartete auf die Erlaubnis. Sie kam nicht. „Wir warten noch.“

Also setzte er sich.

Die Haferflocke blieb auf der Untertasse liegen und machte keinerlei Anstalten, ihm entgegenzukommen. Mika beobachtete sie eine Weile. Danach lief er einmal durch das Nest, kam wieder zum Spalt und sah nach, ob sich etwas verändert hatte.

Nichts.

Aus Linas Zimmer waren Schritte zu hören. Dann wurde eine Schublade geöffnet, und kurz darauf lief Wasser im Badezimmer.

Mika sah seine Mama an. Sie schüttelte den Kopf.

Er wartete weiter.

Endlich wurde es im Haus ruhig. Seine Mama lauschte noch einmal und nickte. Mika war draußen, bevor sie ihre Pfote wieder abgesetzt hatte.

Er lief zur Untertasse, kletterte hinauf und ging schnurstracks am Käse vorbei. Die Haferflocke nahm er zwischen beide Vorderpfoten und biss hinein.

Knusprig. Mika schloss zufrieden die Augen.

„So muss das sein“, murmelte er.

Den Rest wollte er gerade unter den Arm klemmen, als im Flur Schritte zu hören waren.

Mika erstarrte.

Seine Mama saß dicht an der Fußleiste und hatte den Kopf bereits gehoben. Lina kam zurück.

Mika sprang von der Untertasse. Dabei glitt ihm die Haferflocke aus den Pfoten und fiel auf den Teppich. Er lief zwei Schritte in Richtung Schrank, blieb stehen und sah zurück.

Die Flocke lag dort.

Linas Schritte kamen näher.

Seine Mama bedeutete ihm, weiterzulaufen.

Mika wollte auch. Wirklich! Dann sah er die Haferflocke noch einmal an.

Er kehrte um.

Seine Mama schloss kurz die Augen.

Mika packte seine Beute, drehte sich und flitzte hinter den Sessel. Genau in diesem Augenblick erschien Lina in der Wohnzimmertür.

Sie blieb stehen. Etwas Braunes war über den Teppich gehuscht.

Dieses Mal war es nicht nur ein Schatten gewesen.

Lina ging langsam einige Schritte weiter. Mika saß hinter dem Sesselfuß und drückte die Haferflocke an sich. Bis zur Schrankwand waren es nur wenige Meter, doch dazwischen lag freier Boden.

Lina kniete sich bei der Untertasse hin.

Der Käse war noch da.

Die Haferflocke war verschwunden.

Sie lächelte.

Mika bemerkte, dass ein Stück seiner Beute unter der Pfote hervorschaute. Er versuchte, die Flocke etwas weiter unter den Bauch zu schieben.

Knack.

Lina drehte den Kopf.

Mika rührte sich nicht mehr.

Sie kam näher.

Ein Schritt.

Noch einer.

Wenn sie jetzt hinter den Sesselfuß sah, würde sie ihn entdecken.

Seine Mama wartete an der Fußleiste. Mika konnte nur ihre Ohren erkennen.

Lina blieb stehen.

Dann geschah etwas, womit Mika nicht gerechnet hatte. Sie ging wieder zurück und setzte sich einige Meter entfernt auf den Teppich.

Mika kannte das inzwischen.

Sie wartete.

Genau das hatte sie gestern bei der Stehlampe getan. Sie war nicht hinter ihm hergelaufen, hatte nicht unter den Sessel gegriffen und den Schrankspalt ebenfalls in Ruhe gelassen. Sie setzte sich einfach hin und überließ ihm die Entscheidung.

Mika gefiel das.

Er sah zu seiner Mama. Sie gab ihm ein knappes Zeichen.

Jetzt.

Mika klemmte die Haferflocke fest zwischen die Pfoten und lief los.

Lina sah ihn.

Nur kurz, aber diesmal deutlich genug.

Ein kleines braunes Mäuschen flitzte über den Teppich. Die runden Ohren standen aufrecht, der lange Schwanz folgte ihm über den Boden, und unter dem Kinn klemmte eine Haferflocke, die es offensichtlich unter keinen Umständen zurücklassen wollte.

Dann war Mika hinter der Schrankwand verschwunden.

Lina blieb sitzen.

Hinter dem Spalt legte Mika seine Beute ab und rang nach Luft.

Seine Mama betrachtete ihn eine Weile.

„Du bist wegen einer Haferflocke zurückgelaufen.“

Mika sah beschämt zu Boden. „Sie wird wirklich sehr gut schmecken.“

Mehr hatte er zu seiner Verteidigung nicht vorzubringen.

Im Wohnzimmer stand Lina schließlich auf. Sie ging zur Untertasse, betrachtete den völlig unberührten Käse und musste lachen.

Jetzt hatte sie ihre Antwort.

Später trug sie den Teller in die Küche. Ihr Vater saß dort am Tisch und las etwas auf seinem Smartphone, während ihre Mutter Einkäufe aus einer Stofftasche räumte.

„Hat unsere Maus deinen Käse gefressen?“, fragte er.

Lina stellte die Untertasse vor ihn. „Fast gar nicht. Aber die Haferflocke hat sie mitgenommen.“

Nun legte ihr Vater das Handy zur Seite.

Lina erzählte von ihrem kleinen Versuch. Vom Käse am Vormittag, an dem eine winzige Ecke gefehlt hatte. Von der Haferflocke am Nachmittag. Und schließlich von dem Mäuschen, das unter dem Sessel hervorgehuscht und mit seiner Beute hinter der Schrankwand verschwunden war.

„Du hast sie also wirklich gesehen?“

Lina nickte. „Diesmal richtig. Sie ist braun und ziemlich klein. Und sie wollte diese Haferflocke unbedingt haben.“

Ihre Mutter stellte gerade eine Packung Hafer in den Küchenschrank.

Lina sah ihr zu. „Ich dachte immer, Mäuse lieben Käse.“

„Manche mögen ihn bestimmt“, sagte ihre Mutter. „Deshalb muss er noch lange für jede Maus das Größte sein. Dein Vater liebt Oliven, und du würdest sie am liebsten vom Teller verbannen.“

Linas Vater hob den Kopf. „Gegen Oliven ist überhaupt nichts einzuwenden.“

„Siehst du“, sagte ihre Mutter.

Lina musste lachen.

So hatte sie darüber noch nie nachgedacht.

Warum sollten alle Mäuse dasselbe mögen?

Hinter der Schrankwand saß Mika inzwischen auf seinem dunkelblauen Wollfaden und knabberte den letzten Rest seiner Haferflocke. Er wusste nichts von Linas Gespräch in der Küche. Aber er wusste jetzt, dass sie ihn gesehen hatte.

Gestern war ihr nur sein Schatten begegnet.

Heute hatte sie Mika selbst gesehen.

Noch kannte sie seinen Namen nicht. Von seiner Mama wusste sie ebenfalls nichts. Und Mika fand, dass die Sache ruhig Schritt für Schritt weitergehen durfte.

Lina erschien erneut mit einer Untertasse im Wohnzimmer. Doch diesmal lagen eine Haferflocke, ein kleines Stück Walnuss und ein Würfelchen Apfel auf dem Teller.

Mika sah lange darauf.

Dann lächelte er.

„Sie hat es verstanden.“

Seine Mama kam neben ihn und betrachtete das Angebot ebenfalls. „Sieht so aus.“

Lina stellte die Untertasse dieses Mal dichter an der Fußleiste. Danach setzte sie sich aufs Sofa und nahm ein Buch zur Hand.

Mika beobachtete sie.

Lina las ein paar Seiten, jedenfalls tat sie so. Zwischendurch wanderte ihr Blick immer wieder zur Schrankwand.

Mika kannte dieses Spiel inzwischen auch.

Er blieb, wo er war.

Die Walnuss roch allerdings ausgezeichnet.

Mika rückte etwas vor.

Seine Mama legte ihm eine Pfote auf den Rücken.

„Warte.“

Mika wartete.

Nach einer Weile schlug Lina das Buch zu. Sie stand auf und verließ das Wohnzimmer.

Erst als Linas Zimmertür zu hören war, schlüpfte er hinaus. Die Walnuss holte er zuerst. Beim zweiten Gang nahm er die Haferflocke. Seine Mama half anschließend beim Apfelstück.

Wenig später war die Untertasse leer.

Als Lina zurückkam, blieb sie davor stehen. Sie betrachtete den Teller und nickte zufrieden.

„Also Käse eher nicht“, murmelte sie.

Hinter der Schrankwand saß Mika mit dem Walnussstück zwischen den Pfoten.

Seine Mama knabberte am Apfel.

„Du würdest den Käse aber schon noch essen, oder?“, fragte Mika.

Sie überlegte kurz. „Wenn ein kleines Stück herumliegt und ich Appetit darauf habe, warum nicht?“

Am Abend erzählte Lina ihren Eltern, dass die Untertasse leer gewesen sei. Ihr Vater war allerdings weniger begeistert davon, dass sie angefangen hatte, die Maus zu füttern. Er wollte erst herausfinden, wo genau sie wohnte und ob tatsächlich nur ein einziges Tier im Haus unterwegs war. Ein tägliches Mäusebüfett sollte daraus vorerst nicht werden.

Lina versprach, am nächsten Morgen keinen Teller hinzustellen.

Heute habe sie es eben wissen wollen.

Wegen dem Käse.

Ihr Vater nickte. „Und jetzt weißt du es.“

Zumindest bei dieser einen Maus wusste Lina nun ziemlich genau, woran sie war.

Später lag Mika im Nest auf dem dunkelblauen Wollfaden. Der Rest der Walnuss war längst aufgegessen. Ein kleines Stück Apfelschale hatten sie für den nächsten Morgen aufgehoben.

Mika dachte an Lina.

Am 1. Dezember hatte sie seinen Pfotenabdruck gefunden. Am 2. Dezember kannte sie seinen Schatten. Und heute hatte sie für ein paar Sekunden das Mäuschen selbst gesehen, das hinter der Schrankwand wohnte.

Er rollte sich zusammen und zog ein Stück Wolle näher an den Bauch.

Nach einer Weile hob er noch einmal den Kopf.

„Mama?“

„Hm?“

„Glaubst du, Lina bringt morgen wieder Käse?“

Seine Mama machte es sich ebenfalls gemütlich. „Ich glaube, sie hat dich heute ziemlich gut verstanden.“

Das beruhigte Mika.

Er legte den Kopf auf die Pfoten und schloss die Augen.

Kurz darauf öffnete er sie noch einmal.

„Falls doch Käse kommt, kannst du ihn haben.“

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