In dieser Geschichte entdecken Sie mit Ihrem Kind, wie wichtig ein eigenes Reich und klare Grenzen in Freundschaften sind. Mia hat ein Geheimversteck hinter dem Schuppen, das plötzlich von anderen Kindern „erobert“ wird – und ihre Freundschaft zu Ben gerät ins Wanken.
Beim Lesen erleben Kinder, wie aus Wut, Missverständnis und verletzten Gefühlen wieder Vertrauen entstehen kann. Die Geschichte eignet sich gut, um mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, wem man etwas anvertraut, wie man Fehler wiedergutmachen kann und dass Freundschaft trotzdem Platz für ein ganz eigenes Geheimversteck lässt.
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Unten auf der Seite gibt es die Gute-Nacht-Geschichte „Das gestohlene Geheimversteck“ als PDF zum Download.
Steckbrief zur Gute-Nacht-Geschichte „Das gestohlene Geheimversteck“
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Gute-Nacht-Geschichte „Das gestohlene Geheimversteck“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Gute Nacht-Geschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule, Freundschaftsgeschichten, Alltagsgeschichten |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Werte | Freundschaft und Vertrauen, Respekt vor Grenzen und Privatsphäre, Ehrlichkeit und Wiedergutmachung, Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, Umgang mit Missverständnissen |
| Themen | Eigenes „Reich“ und persönlicher Rückzugsort (Mias Geheimversteck); Freundschaft zwischen Mädchen und Junge; Missverständnis durch „gestohlenes“ Geheimversteck; Eifersucht, Wut und verletzte Gefühle; Klärendes Gespräch und neue, klare Regeln für gemeinsame Zeit |
| Botschaften | Es ist in Ordnung, eigene Grenzen und geheime Orte zu haben. |
| Vertrauen braucht Ehrlichkeit – und manchmal ein klärendes Gespräch nach einem Streit. | |
| Freundschaft bedeutet nicht, alles zu teilen, sondern einander ernst zu nehmen und Vereinbarungen zu respektieren. |
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Das gestohlene Geheimversteck
Hinter Mias Haus stand ein alter, schiefer Schuppen. Dahinter wuchsen hohe Büsche, die fast niemand beachtete. Genau dort hatte Mia ihr größtes Geheimnis: ein Versteck aus Kartons, einer alten Decke und einem Kissen. Auf einem Pappschild stand in krakeliger Schrift: „Betreten verboten! Nur Mia“.
Wenn sie dort saß, fühlte sie sich wie in einer eigenen kleinen Welt. Sie hatte eine Taschenlampe, ein Abenteuer-Tagebuch und eine Dose mit krümeligen Schokokeksen versteckt.
Eines Tages schaute Ben, der Nachbarsjunge, über den Zaun. „Wo bist du immer nach den Hausaufgaben?“, fragte er. „Du bist dann einfach weg.“
Mia zögerte. Eigentlich war das Versteck nur für sie. Aber Ben sah traurig aus, als hätte er niemanden zum Spielen. „Na gut“, seufzte sie. „Ich zeige es dir. Aber es bleibt mein Geheimversteck, klar? Du darfst nur rein, wenn ich dabei bin.“
Ben nickte schnell. „Versprochen. Geheimversteck-Ehrenwort.“
Sie schoben die Zweige zur Seite und krochen hinein. Ben riss die Augen auf. „Boah! Das ist ja wie eine Mini-Höhle!“ Sie lachten, aßen Kekse und erfanden ein Klopfzeichen: dreimal kurz, zweimal lang.
Ein paar Tage lang war alles schön. Nach den Hausaufgaben schlüpften sie ins Versteck, erzählten sich Geschichten im Flüsterton und taten so, als wären sie Forscher in einem Dschungel.
Dann kam der Nachmittag, an dem alles anders wurde.

Mia schob wie immer die Büsche zur Seite – und hörte Stimmen. In ihrem Versteck saßen drei Kinder aus ihrer Klasse. Sie hockten auf ihrem Kissen, stopften Mias Kekse in sich hinein und taten so, als wäre die Höhle schon immer ihr Platz gewesen.
„Hey! Das ist MEIN Versteck!“, rief Mia. Ihr Herz klopfte bis zum Hals.
Die anderen starrten sie an. „Wir haben gesehen, wie Ben immer hierhin schleicht“, sagte eines. „Da wollten wir wissen, was es hier gibt.“
In Mias Kopf raste ein Gedanke: Ben hat alles verraten. Ohne noch etwas zu sagen, schnappte sie ihr Notizbuch und rannte davon. In den nächsten Tagen sprach sie kein Wort mit Ben. Wenn er „Hallo“ sagte, drehte sie sich einfach weg.
Ben verstand die Welt nicht mehr. Er stand verzagt am Zaun und schaute zu den Büschen, aber Mia kam nicht.
Einige Tage später schlich sie doch wieder zum Versteck. Sie wollte sehen, ob noch etwas von ihren Sachen da war. Als sie die Zweige zur Seite bog, zuckte sie zusammen: Im Versteck saß Ben – allein. Vor ihm lagen Mias fast leere Keksdose, ein kleiner Handfeger und die vollgekrümelte Decke.
„Was machst du hier?“, fragte Mia misstrauisch.
„Aufräumen“, murmelte Ben. „Die anderen waren gestern wieder da. Ich hab sie angeschrien, dass sie verschwinden sollen, weil das dein Versteck ist. Da sind sie abgehauen. Ich versuche, die Krümel wegzumachen.“
Mia starrte ihn an. „Also … du hast es ihnen nicht gezeigt?“
Ben schüttelte heftig den Kopf. „Nein! Sie sind mir nachgelaufen, ohne dass ich es gemerkt habe.Ich hab nur noch gesehen, wie sie hinter dem Schuppen herumgeschlichen sind, und am nächsten Tag waren sie plötzlich in deinem Versteck. Ehrlich, ich wollte das nicht.“
Mia biss sich auf die Lippe. Plötzlich spürte sie ein schlechtes Gewissen wie einen Kloß im Bauch. „Ich dachte, du hättest alles ausgeplaudert“, sagte sie schuldbewusst. „Deswegen war ich sauer auf dich.“
„Das dachte ich mir“, antwortete Ben. „Es war auch blöd von mir, nicht besser aufzupassen. Aber dein Geheimnis ist mir wichtig.“
Eine Weile war es still. Man hörte nur eine Hummel brummen.
Dann setzte Mia sich auf den Rand des Kartons. „Das hier bleibt mein Versteck“, sagte sie. „Aber … du darfst weiter reinkommen. Wenn du vorher klopfst. Und wenn jemand anderes rein will, sagst du nein. Richtig laut.“
Ben grinste ein bisschen. „Krieg ich auch ein kleines Schild? Vielleicht: ‚Ben darf klopfen‘?“
Mia musste lachen. „Na gut.“ Sie holte einen neuen Kartonstreifen, schrieb darauf in großen Buchstaben: „Mias Geheimversteck. Ben darf klopfen.“ Gemeinsam befestigten sie das Schild mit Klebeband.
Als Mia später in ihrem Versteck saß, hörte sie draußen das Klopfzeichen: dreimal kurz, zweimal lang. Sie schob die Zweige beiseite und ließ Ben herein.
Das Versteck gehörte immer noch ihr. Aber jetzt wusste sie: Man kann ein Geheimnis schützen – und trotzdem jemanden hineinlassen, dem man vertraut.
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Gute-Nacht-Geschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:

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