Diese kurze Ostergeschichte beginnt mit einem fröhlichen Schaukelfest – und einem Jungen, der ausgerechnet zu Ostern nicht schaukeln darf: Tõnu steckt im Gips und steht erst nur am Rand. Doch dann passiert etwas, das das ganze Fest ins Wanken bringt, und plötzlich wird aus dem „Zuschauer“ der Wichtigste von allen. Wie ein weißer Gips am Ende zu einem bunten Zeichen für Mut, Fairness und Zusammenhalt wird, erzählen Sie Ihrem Kind mit dieser Geschichte.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Der kleine Held am Rand“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zum Osterbrauch des Schaukelfests.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch in Estland
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Der kleine Held am Rand“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Schaukelfest (Kiigepühad) in Estland |
| Themen | Dazugehören trotz Einschränkung (Gips), Selbstwertgefühl, Fairness, Verantwortung übernehmen, Zivilcourage („Stopp!“ sagen), Freundschaft & Zusammenhalt |
| Botschaften | Man kann wichtig sein, auch wenn man nicht alles mitmachen kann. |
| Mut zeigt sich auch darin, Grenzen zu setzen und für Sicherheit/Fairness einzustehen. | |
| Wer Verantwortung übernimmt, stärkt die Gemeinschaft – und fühlt sich selbst stärker. |
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Der kleine Held am Rand
Die Krokusse am Weg dufteten zart, als achtjährige Tõnu nachmittags mit Oma über den Dorfplatz ging. Hinter der Kirche stand eine große Holzschaukel, die Dorfschaukel, wie alle sie nannten. Zu Ostern wurde hier in Estland das Schaukelfest gefeiert – und Tõnu liebte es, so hoch zu schwingen, dass ihm der Bauch kitzelte.
Dieses Jahr kitzelte nichts. Sein rechter Fuß steckte in einem weißen Gips.
„Du musst nicht schaukeln, um dabei zu sein“, sagte Oma. Tõnu nickte – und trotzdem tat es innen drin ein bisschen weh.
Die Kinder liefen schon durcheinander: Mari trug einen Korb mit bunten Eiern, Kertu band Bänder ans Schaukelgestell. „Tõnu!“, rief jemand. „Kommst du trotzdem?“ „Klar“, murmelte er. „Ich … guck nur zu.“
Als die ersten Schwünge begannen, stand Tõnu am Rand. Das Quietschen der Seile klang wie ein Lied, zu dem er nicht mitsingen durfte. Er starrte auf seinen Gips.
Da kam der kleine Peeter und knetete seine Finger. „Ich trau mich nicht. Die schaukeln so hoch.“
„Musst du auch nicht“, sagte Tõnu. „Wir fangen ganz langsam an – und dann, wenn du willst, ein bisschen höher.“ „Wollen wir zählen? Zehn sanfte Schubser.“
Peeter nickte. Und plötzlich hatte Tõnu eine Aufgabe.
„Ich bin Zeitwächter“, erklärte Tõnu kurz darauf. „Jeder zwei Minuten, dann ist der Nächste dran.“ Oma stellte eine Sanduhr auf den Pfosten neben der Schaukel. Das gefiel sogar den Großen – zumindest ein bisschen.
Dann kam Jaan, der immer am stärksten anschob. „Höher!“, rief er und gab Mari einen wuchtigen Stoß. Die Schaukel schoss vor, Mari quietschte – aber nicht vor Freude. Ihr Fuß rutschte vom Brett, die Schaukel schlingerte.
„Stopp!“, rief Tõnu so laut, dass alle erstarrten. „Nicht so! Erst fragen. Und nur so fest, dass sich der andere sicher fühlt.“
Jaan schnaubte. „Du schaukelst ja nicht mal.“
Tõnu hob das Kinn. „Eben. Ich seh’s von hier besser.“
Einen Moment war es still. Dann sagte Kertu: „Er hat recht.“ Mari atmete aus. „Ich will’s lieber langsamer.“ Jaan zuckte mit den Schultern. „Na gut.“
Von da an lief es anders. Tõnu drehte die Sanduhr, half den Kleinen aufs Brett, und wenn jemand drängelte, sagte er: „Mit Regeln klappt’s für alle – sonst gibt’s Chaos.“
Als die Sonne tiefer stand, setzte sich Oma neben ihn. „Du hast das Fest gerettet“, flüsterte sie. „Ich?“, fragte Tõnu.
Da kam Peeter mit einem Filzstift. „Kann ich deinen Gips unterschreiben? So wie ein Autogramm?“ Tõnu blinzelte. „Warum?“ „Weil du heute unser Held warst“, sagte Peeter.
Einer nach dem anderen kam. Mari schrieb ihren Namen mit einer kleinen Blume. Kertu malte eine winzige Schaukel. Sogar Jaan setzte seinen Namen hin – ganz unten, aber deutlich.
Als Tõnu seinen Gips ansah, war er vollgekritzelt mit Namen und bunten Symbolen. Und zum ersten Mal an diesem Ostertag kitzelte es wieder in seinem Bauch – nicht von der Höhe, sondern vom Glück, nicht außen zu stehen.

Osterbrauch in Estland
In Estland wird Ostern in manchen Gegenden auch mit dem Schaukelfest verbunden: Draußen auf Dorfplätzen oder an großen Holzschaukeln treffen sich Familien und Kinder, um gemeinsam zu schaukeln, zu lachen und den Frühling zu begrüßen. Nach dem langen Winter gehört die Schaukelzeit für viele einfach zur Osterstimmung dazu – als fröhliches Zeichen: Jetzt wird es wieder heller und wärmer.
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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
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