Inspirationen auf dem Lebensweg
Leben nach dem Tod

Ein Gespräch über Tod, Wiedergeburt und die Seele

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Interview mit Dr. Martin Kreuels

Dr. Martin Kreuels war viele Jahre lang Autor und Fotograf, insbesondere Post mortem-Fotograf. Seit 2018 arbeitet er wieder in seinem ursprünglichen Bereich, im Bereich Naturschutz. Zuvor begleiteten ihn Tod und Trauer während seiner Arbeit sowie in seinem Café, in dem er für trauernde Menschen Gespräche anbot.

Das Interview entstand in der Zeit, als er noch hauptberuflich als Autor und Fotograf, insbesondere Post mortem-Fotograf tätig war.

Viabilia: Wenn Sie sich als Autor und Fotograf so viel mit dem Tod beschäftigen, dann sind Tod und Trauer ein beständiger Begleiter in Ihrem Leben. Hat das Auswirkungen für Sie? Es gibt ja andere Zustände wie Glück im Leben.

Dr. Martin Kreuels: Das Trauercafé zum Beispiel ist ja kein Ort, wo man nur trauert. Wir lachen dort viel, haben viel Spaß. Das heißt, wir machen dort keine “blöden Witze”, sondern der Humor ist ein ganz Anderer in solchen Einrichtungen. Ich finde die Trauer als Bestandteil meiner Arbeit nicht schlimm, weil es für mich nicht belastend ist. Ich merke, es ist in Ordnung für mich.

Ich habe persönlich keine Angst mehr vor dem Tod. Wenn meine Zeit kommt, zu gehen, so weiß ich für mich, dass mich meine Frau abholen wird. Angst oder Schwere ist das nicht mehr.

Ein Leben nach dem Tod?

Viabilia: Was macht Sie so sicher, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und dass man sich in irgendeiner Form wiedertrifft?

Dr. Martin Kreuels: Es ist ein Wissen in mir selbst, dass es nach dem Tod weitergeht. Ich habe mittlerweile viele Erfahrungen und Begegnungen gehabt, die sich logisch nicht erklären lassen – wenn zum Beispiel derjenige, der gestorben ist, noch einmal etwas mitteilt.

Ein Beispiel kann ich Ihnen dazu nennen: Eine Frau, die ich nicht kenne, die ich noch nie gesehen habe und von der ich nichts weiß, rief mich an einem Nachmittag an und sagte mir: “Sie kennen mich nicht, ich kenne Sie auch nicht, ich weiß aber, Sie sitzen seit einer Stunde auf dem Sofa.” Das stimmte auch. Die Rufnummer war eine Stuttgarter Nummer, also weit weg von mir. “Sie machen gerade Pause und sind entspannt. Warum ich Ihnen das erzähle? Das weiß ich, Ihre Frau war gerade da. ” Da war meine Frau bereits ein Jahr tot.

Und sie hat ihre beiden Kinder dabei gehabt, die zu früh gestorben sind (sie hatte vor der Geburt zwei Kinder verloren). Die Frau hat mir weitere Dinge erzählt, die sie nicht wissen konnte. Ich dachte erst, es wäre ein Verkaufsgespräch gewesen, aber sie verabschiedete sich und wünschte mir alles Gute.

Dabei dachte ich mir: wissenschaftlich kann ich mir das nicht erklären. Diese Frau kann diese Kenntnisse nicht haben; zum Beispiel wusste sie Kosenamen, die nur zwischen meiner Frau und mir gefallen waren. Auch kannte meine Frau diese Frau nicht.

Viabilia: Und hat Ihre Frau zu Ihnen gesprochen?

Dr. Martin Kreuels: Sie hatte zu dieser Frau gesprochen. Sie hat gesagt, es wäre alles gut so gewesen, wie es gelaufen ist, und ich könnte so weitermachen.

Diese Frau wusste so viel von uns, was ich schon eigenartig finde. Man kann das auch psychologisch nicht erklären. Solche Geschichten sind mir mehrmals passiert. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass ich diese Hinweise gebraucht habe, um in diesem Leben besser loslassen zu können, um zu sehen, es geht nach diesem Leben weiter. Der Tod ist nichts anderes als eine zweite Geburt.

Unsere Aufgabe in diesem Leben ist lernen, uns weiterzuentwickeln.

Seele

man sagt
die seele beschließt
wann der körper
stirbt

wann sie
ihn
verlassen
will

um geboren
zu werden
für das
nächste leben

Dr. Martin Kreuels

Viabilia: Wir sind nun beim Thema Seele. Weshalb sollte man überhaupt mit einer Aufgabe auf diese Erde kommen? Das wundert mich. Was ist der Sinn des Ganzen?

Dr. Martin Kreuels: Wir haben auf der Erde eine Chance, etwas zu erlernen. Wozu das gut sein soll, das weiß ich nicht.

Viabilia: Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal von Edgar Cayce gehört haben? Edgar Cayce war ein amerikanischer Mystiker und Seher. Er konnte sich in Trance versetzen, und hat in seinen Readings über Wiedergeburt gesprochen – obwohl er in seinem “richtigen” Leben gläubiger Baptist war.

Dies macht ihn für mich sehr glaubwürdig, weil er mit den Inhalten seiner eigenen Readings gehadert hat.

Edgar Cayce also konnte in Trance anderen Menschen Diagnosen stellen, obwohl er kein Mediziner war. Sobald er sich in Trance versetzte, konnte er eine fremde, auch weit abgelegene Person lokalisieren, Diagnosen stellen und genaue Anleitung geben, was diese Person zu ihrer Heilung machen kann. Wenn sich die Person daran gehalten hat, ist sie tatsächlich wieder gesund geworden.

Edgar Cayce hat in seiner Trance wie selbstverständlich davon gesprochen, dass jenes Paar in diesem Leben dies und jenes macht und unter welchen Umständen sie sich in vergangenen Leben trafen (und welche Auswirkungen die Erfahrungen aus vergangenen Leben auf das aktuelle Leben der beiden haben).

Was mich trotzdem an der ganzen Geschichte wundert ist, dass man die vergangenen Leben vergisst. Das ist eigentlich eine Krux. Aus meiner persönlichen Sicht wäre es logischer – wenn es tatsächlich mehrere Leben gäbe -, dass man sich an seine vergangenen Leben erinnern könnte.

Dr. Martin Kreuels: Ich habe in dem Zusammenhang das Problem, dass ich eigentlich Wissenschaftler bin. Vergangene Leben lassen sich wissenschaftlich nicht beweisen; also all das, was wir gerade besprechen – das Trance-Phänomen oder mit der Wiedergeburt.

Tiefenpychologisch kann man untersuchen, dass Menschen an bestimmten anderen Orten schon einmal waren. Sie sagen, dass sie dort schon einmal gelebt haben, dass sie ein Haus wiedererkennen. Ich glaube, in Köln hat man Versuche dazu gemacht: man hat mehrere Personen in tiefe Trance versetzt, und sie haben ein Haus beschrieben, in dem sie vor 400 Jahren gelebt hatten. Sie haben genau den Aufbau des Hauses beschreiben können. Sie sind dort hineingegangen und haben beschrieben, welche Funktion früher dieses oder jenes Zimmer hatte.

Es scheint tatsächlich eine Art der Wieder-Erinnerung zu geben. Nur: in welchen Schichten diese bei uns gespeichert ist, das wissen wir nicht. Die Erinnerung kann tief in uns liegen, und wir haben das Gehör dafür verloren – also das Gehör dafür im übertragenen Sinne gesehen.

Unsere eigene innere Stimme zum Beispiel hören wir nur dann, wenn wir zur Ruhe kommen. Im Alltagsgeschäft ist alles so laut, dass wir das nicht mehr hören können. Hektik überdeckt vieles, und wir achten nicht auf unser Bauchgefühl. Wir nehmen uns nicht die Muße, in uns hineinzuhorchen.

Viabilia: Ich hätte mir das nur etwas einfacher vorgestellt.

(Wir lachen.)

Viabilia: Ich erinnere mich zum Beispiel schon gar nicht mehr in der chronologisch korrekten Reihenfolge an Situationen von früher. Schon im jetzigen Leben verschwindet die Erinnerung.

Doch zurück zur Seele: Bei Ihnen hat das Thema Seele tatsächlich mit einem Leben nach dem Tod zu tun. Auch wenn ich an Seele denke, denke ich an etwas, was nach dem eigenen Tod noch weiterhin besteht. Manche Menschen definieren Seele auch rein nur für dieses Leben, ohne dass irgendetwas weiterleben muss.

Dr. Martin Kreuels: Ich denke, dass wir etwas in uns haben, was wir nicht stoffwechsel-physiologisch oder hormonell erklären können. Zum Beispiel Empathie: wenn ich merke, da fühle ich jetzt gerade mit. Rein biologisch betrachtet macht es keinen Sinn. Da würde es ausreichen, unsere Gene weiterzureichen.

Wenn jetzt zum Beispiel weiter hinten eine ältere Dame hinfallen würde, und wir beide rennen hin, um ihr aufzuhelfen: Weshalb?

Ein Spinnenmännchen würde aufgegessen werden. Nach der Paarung wird ein Spinnenmännchen vom Weibchen aufgegessen. Das Männchen hat keine Funktion mehr. Es stirbt – wenn es nicht vom Weibchen aufgefressen wird -, innerhalb von 14 Tagen ab. Es hat sich fortgepflanzt, hat sein genetisches Material weitergegeben. Man könnte sagen: es ist noch funktionstüchtig und könnte noch ein halbes Jahr leben. Aber es tut es nicht.

Viabilia: Wieso wird das Männchen manchmal nicht gefressen?

Dr. Martin Kreuels: Weil das Männchen ab und zu schneller ist als das Weibchen.

Wenn sich das Spinnenmännchen nicht verpaart, kann es alt werden. Wenn es sich verpaart, stirbt es wie gesagt spätestens nach zwei Wochen ab. Biologisch gesehen macht das Sinn.

Viabilia: Wir Menschen sind über dieses Stadium hinaus.

Dr. Martin Kreuels: Wenn wir auf das Beispiel der Hilfeleistung für die ältere Dame zurückkommen: Biologisch, physiologisch oder chemisch kann man das nicht erklären. Es muss also irgendetwas anderes sein, was nicht mehr an den Körper gebunden ist.

Es gibt Bücher über Nahtod-Erfahrungen. Die Königsgeschichte dazu: Eine Frau musste eine schwere Gehirnoperation über sich ergehen lassen. Als sie vorübergehend tot war, ist sie aus ihrem Körper herausgetreten und hat im Nachbarraum eine Operation beobachtet. Als sie wieder ins Leben zurückgebracht wurde, konnte sie genau beschreiben, was in der Nachbar-OP gemacht wurde.

Viabilia: Wieso klappt dann der Versuch nicht, wo man einen Apparat mit nach oben gerichteten Buchstaben hat. Eine Person, die oben im Raum “schweben” würde, könnte die Buchstaben lesen. Bisher ist es noch kein einziges Mal gelungen, dass eine Person zurückkam ins Leben und diese Buchstaben wiedergeben hätte können. So versucht man, das Nahtod-Phänomen zu beweisen.

Dr. Martin Kreuels: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Bei dem anderen Beispiel jedenfalls ist etwas Ungewöhnliches passiert, da die Frau wissen konnte, was im anderen Raum geschah, was von den Beteiligten dort bestätigt wurde. Die Frau war definitiv in ihrem Körper tot – das wurde gemessen.

Wir stoßen hier auf eine Grenze unserer Erklärungsmöglichkeiten.

Vielen Dank für dieses spannende Interview!

Das Interview führte Betina Graf mit Dr. Martin Kreuels.

Dr. Martin Kreuels war bis 2009 Biologe, genauer Arachnologe. Nach dem Tod seiner Frau begann seine Neuorientierung als Autor und Fotograf. Seit 2018 hat er sich umorientiert und arbeitet wieder an erster Stelle in seinem ursprünglichen Fachgebiet im Naturschutz.

www.fotografie-kreuels.de

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