Diese kurze Ostergeschichte spielt in einer finnischen Schulklasse, in der alle Kinder gespannt ihr Ostergras beobachten – nur in einer Schale will lange nichts wachsen. Wie ausgerechnet dieses „langsamste Ostergras der Klasse“ kurz vor Ostern doch noch für Jubel sorgt, macht Kindern Mut, an ihr eigenes Tempo zu glauben.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Das Ostergras mit dem eigenen Tempo“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zum Osterbrauch des Ostergras-Säens.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch in Finnland
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Das Ostergras mit dem eigenen Tempo“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Finnischer Osterbrauch „Ostergras säen“ (pääsiäisruoho): Kinder säen Gras in Schalen, beobachten das Wachstum bis Ostern und nutzen es als Frühlingssymbol und Osterdekoration. |
| Themen | Geduld, eigenes Tempo, Durchhalten, Vergleich mit anderen / Konkurrenz in der Klasse, Ermutigung, Frühling / Neubeginn |
| Botschaften | Jeder hat sein eigenes Tempo – auch wer später dran ist, kann noch aufblühen. |
| Es lohnt sich, dranzubleiben und nicht vorschnell aufzugeben. | |
| Man muss nicht „die Beste“ oder „der Schnellste“ sein, um wichtig zu sein und sich freuen zu dürfen. |
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Das Ostergras mit dem eigenen Tempo
In Finns Klasse war es kurz vor Ostern aufregend. Frau Järvi stellte kleine Schalen auf die Fensterbank. „In Finnland säen wir Ostergras“, erklärte sie. „Wenn es bis Ostern sprießt, wissen wir, dass der Frühling angefangen hat.“
Jedes Kind bekam eine Schale mit Erde und ein paar Körner. Finn strich die Erde glatt und streute seine Körner darauf. „Los, wachst schnell“, sprach er ihnen gut zu und goss Wasser darüber.
In den nächsten Tagen rannten alle Kinder morgens zuerst zu den Schalen. Bei Venla zeigten sich die ersten grünen Spitzen. Bei Emre war schon ein kleiner Teppich zu sehen. Nur Finns Schale blieb dunkel und kahl.
„Vielleicht hast du zu wenig gegossen“, meinte Emre. „Oder zu viel“, sagte Venla.
Nach dem Unterricht stellte Finn seine Schale an den sonnigsten Platz. „Du schaffst das“, flüsterte er. „Bitte, kleines Gras.“
Am dritten Tag war in fast allen Schalen ein dichtes Grün am Sprießen. Nur in Finns Schale: nichts. Eine kahle, braune Fläche.
„Dein Gras ist im Winterschlaf“, witzelte jemand. Finn tat so, als würde er lachen.
Da legte Frau Järvi ihm eine Hand auf die Schulter. „Manchmal brauchen Samen länger“, sagte sie. „Willst du deinem Ostergras einen Namen geben?“
Finn überlegte. „Vielleicht wächst es besser, wenn es einen Namen hat“, murmelte er. „Es heißt … Greta.“ Die Klasse kicherte. „Greta, das langsamste Ostergras der Welt!“
Von da an brachte Finn Greta jeden Morgen einen Schluck „Mut-Wasser“. Er erzählte ihr leise, wie sehr er sich wünschte, dass sie endlich grün wurde.
Einige Tage vor Ostern war die Fensterbank ein kleiner Dschungel. Nur Greta lag da, still und braun.
„Du kannst dir eine andere Schale nehmen“, schlug Venla vor. „Die ist wohl nichts geworden.“
Finn schüttelte den Kopf. „Nein. Ich bleibe bei Greta.“
Am nächsten Morgen traute er sich kaum hinzusehen. Langsam beugte er sich über seine Schale.
Ganz in der Mitte, kaum dicker als ein Haar, stand ein winziger grüner Halm.
„Greta!“, rief Finn, und alle fuhren herum. Frau Järvi trat näher und lächelte. „Na, schau einer an. Da hat jemand nur auf den richtigen Moment gewartet.“
„Oh, wie süß!“, sagte Venla.
In den nächsten Tagen wuchsen neben dem ersten Halm viele weitere. Die anderen Schalen waren immer noch voller, aber Finn war das egal.
Am letzten Schultag vor Ostern stand auf der Fensterbank eine grüne Reihe. Ganz links Venlas dichter Rasen, ganz rechts Emres wilder Grasbusch. Und mittendrin Finns Schale mit dem Gras, das als letztes begonnen hatte.
„Seht ihr“, sagte Frau Järvi. „Manche sind früh dran, manche später. Wichtig ist, dass jeder seine Zeit bekommt.“
Finn strich mit dem Finger vorsichtig durch sein Gras. „Greta ist vielleicht das langsamste Ostergras der Klasse“, sagte er, „aber jetzt ist sie bereit für den Frühling.“

Osterbrauch in Finnland
In Finnland säen Kinder in kleinen Schalen Ostergras (pääsiäisruoho), meist aus Getreidekörnern wie Weizen oder Roggen. Die Schalen stehen auf der Fensterbank, werden gegossen und bis Ostern beobachtet: Das frische Grün gilt als Zeichen für den beginnenden Frühling und neues Leben. Oft werden in das gewachsene Ostergras bunte Eier oder kleine Kükenfiguren gestellt, sodass daraus eine einfache, aber sehr anschauliche Osterdekoration wird.
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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
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