In England lassen Kinder zu Ostern bunte Eier einen Hügel hinunterrollen – und jedes Ei hofft, heil im Tal anzukommen. In dieser Geschichte ist Emmas Ei alles andere als perfekt bemalt, und sie schämt sich ein bisschen dafür. Doch als das große Eierrollen beginnt, zeigt ausgerechnet dieses „missglückte“ Ei, wie viel Mut und Stärke in ihm steckt …
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch aus England
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Das mutige Ei vom Hügel“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Egg Rolling (Eierrollen) in England |
| Themen | Selbstwertgefühl, Geschwisterbeziehung, Mut und innere Stärke |
| Botschaften | Nicht das schönste oder „perfekteste“ Ei gewinnt, sondern das standhafteste. |
| Jeder hat eigene Stärken, die man auf den ersten Blick nicht immer sieht. | |
| Rückschläge (wie ein kaputtes Ei) gehören dazu, aber sie entscheiden nicht über deinen Wert. |
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Das mutige Ei vom Hügel
„Beeilt euch, die Egg-Rolling-Rennen fangen gleich an!“, rief Grandma Rose. Oben auf dem grünen Hügel warteten schon viele Kinder mit ihren bunten Ostereiern.
Emma tappte hinter ihrem Bruder Ben her und drückte ein Ei fest in der Hand. Es war krumm bemalt: eine Seite blau, die andere irgendwie grün, dazwischen ein paar verschmierte Punkte. Kein schönes Muster, eher ein Unfall.
„Dein Ei sieht lustig aus“, sagte Grandma Rose freundlich.
„Es sieht doof aus“, murmelte Emma. Bens Ei dagegen war perfekt: feine Linien, kleine Blumen, sogar ein winziges Küken darauf.
Am Morgen hatten sie alle zusammen am Tisch gesessen und Eier bemalt. Grandma hatte erzählt, dass man in manchen Gegenden Englands zu Ostern die Eier den Hügel hinunterrollen lässt. „Das Ei, das am weitesten rollt, ohne zu zerbrechen, soll seinem Besitzer Glück bringen“, hatte sie erklärt.
Jetzt standen Emma und Ben ganz oben auf dem Hügel. Der Wind zupfte an ihren Jacken. Vor ihren Füßen war mit bunten Bändern die Startlinie markiert, unten im Tal eine bunte Ziellinie.
Der Mann mit der Pfeife hob den Arm. „Alle bereit? Eier an die Startlinie!“
Ben legte sein perfektes Ei vorsichtig ins Gras. Emma setzte ihr krummes, buntes Ei daneben. Sie versuchte, es ein bisschen hinter einem anderen Ei zu verstecken.
„Drei … zwei … eins … los!“
Viele kleine Hände stießen ihre Eier gleichzeitig an. Ein buntes Klackern und Rollen begann. Die Eier hoppsten über Grasbüschel, prallten gegeneinander, manche blieben in einer Mulde hängen.
Bens Ei schoss schnell los. „Juhu!“, rief er. „Siehst du, Emma?“
Doch dann stieß es gegen einen kleinen Stein. Knack. Ein Sprung zog sich über das Küken. Noch ein Hüpfer, und das Ei blieb liegen, halb geplatzt.
Ben seufzte. „Oh nein…“
Emma wollte gerade trösten, da bemerkte sie etwas. Ihr eigenes Ei rollte langsam, aber stetig weiter. Es war nicht hübsch, aber offenbar ziemlich stark. Es hoppelte um den Stein herum, schlingerte kurz, fing sich wieder – und kullerte über die Ziellinie.
„Gewinnerin Bahn drei!“, rief der Mann mit der Pfeife. „Das mutige, bunte Ei!“
Alle klatschten. Emma starrte auf ihr Ei. Es hatte ein paar Kratzer, aber keinen Riss.
„Siehst du“, sagte Grandma Rose leise, als sie Emma umarmte. „Manchmal sind die, die von außen etwas chaotisch aussehen, innen am stärksten.“
Ben grinste. „Dein Ei ist vielleicht nicht schön … aber es ist ein echter Kämpfer. Nächstes Jahr male ich mir auch so ein mutiges Ei.“
Emma strahlte. Zum ersten Mal gefiel ihr ihr schief bemaltes Ei richtig gut. Und irgendwie fühlte sie sich selbst auch ein kleines bisschen stärker – wie ein Ei, das heil den Hügel hinuntergerollt ist.

Flagge von England
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