Diese kurze Ostergeschichte nimmt Kinder mit in einen dänischen Garten, in dem ein kleines Schneeglöckchen eine ganz besondere Rolle spielt. Vor dem Hintergrund des dänischen Gækkebrev-Osterbrauches erzählt die Geschichte behutsam davon, wie sich ein unscheinbar wirkendes Schneeglöckchen nach und nach als etwas Wertvolles und Schönes entdeckt.
Die Geschichte eignet sich gut zum Vorlesen in der Grundschule oder zu Hause rund um Ostern und kann ein Einstieg sein, um mit Kindern über Selbstwert, eigene Stärken und kulturelle Bräuche zu sprechen.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Das Schneeglöckchen im Osterbrief“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zum Osterbrauch der Papierscherenschnitte.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch in Dänemark
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Das Schneeglöckchen im Osterbrief“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Dänischer Gækkebrev-Brauch (geheime Osterbriefe mit Schneeglöckchen und Reim) |
| Themen | Selbstwert, eigene Stärken wahrnehmen, Gesehenwerden, Kind und Natur, Frühling / Neubeginn |
| Botschaften | Auch wer sich klein und unscheinbar fühlt, kann für jemanden etwas Besonderes sein. |
| Man muss nicht besonders hervorstechen, um wichtig zu sein. | |
| Jemand wird deine besondere Art sehen und schätzen. |
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Ein Schneeglöckchen im Osterbrief
Im hintersten Winkel eines Gartens wuchs ein kleines Schneeglöckchen. Es war das Jüngste von allen und fand sich schrecklich gewöhnlich.
„Ich bin nur klein und weiß“, seufzte es. „Mich wird niemand beachten.“
Die anderen Schneeglöckchen klingelten im Wind. „Wir kündigen den Frühling an“, jubelten sie. „Das ist wichtig genug.“ Doch das kleine Schneeglöckchen glaubte ihnen nicht.
Eines kühlen Morgens kam ein Mädchen in den Garten. Sie trug eine Schere und ein gefaltetes Blatt Papier.
„Heute bastle ich mein erstes Gækkebrev“, flüsterte sie. „Ein Osterbrief mit Rätsel.“
Ihre Hand streckte sich genau nach dem kleinen Schneeglöckchen aus.
„Oh nein“, dachte die Blume. „Sie merkt gleich, wie langweilig ich bin.“
Doch das Mädchen lächelte. „Du bist perfekt“, sagte sie. „Ganz zart. Genau so brauche ich dich.“
Sie legte das gefaltete Blatt vor sich hin und schnitt vorsichtig kleine Bögen und Sterne in die Kanten. Als sie das Papier wieder aufklappte, hatte es feine Spitzen bekommen.
Dann pflückte sie das Schneeglöckchen, legte es in das Blatt und schrieb ihr Reimrätsel hinein:
Was ist das?
Kleine Köpfchen im kalten Schnee,
träumen von neuem, grünem Klee.
Lugen raus im kleinen Garten,
brauchst du nur ein bisschen warten.
Am Ende setzte sie statt ihres Namens nur Punkte. So viele Punkte, wie ihr Name Buchstaben hat – so sind die Regeln beim Gækkebrev.
Kurz darauf warf sie den Brief in den Briefkasten. Darin war es dunkel und still.
„Was, wenn der Empfänger mich hässlich findet? Oder gar nicht bemerkt?“, dachte das Schneeglöckchen.
Später klapperte der Briefkasten. Jemand nahm den Brief heraus und trug ihn in ein Haus.
„Post! Ein Gækkebrev!“, rief eine Stimme.
Das Papier wurde geöffnet. Licht fiel auf das Schneeglöckchen. Ein Junge mit Sommersprossen beugte sich darüber.
„Oh“, rief er erfreut. „Ist das schön! So ein zartes, hübsches Schneeglöckchen habe ich noch nie gesehen.“
Der Junge strich mit dem Finger ganz vorsichtig neben der Blüte entlang.
„Wer mir wohl dieses Gækkebrev geschickt hat?“, murmelte er. „Wer auch immer es war, der hat die schönste Blume im Garten ausgesucht.“
Das Schneeglöckchen hätte am liebsten vor Freude getanzt. Stattdessen duftete es einfach ein bisschen stärker.
Am nächsten Tag nahm der Junge den Brief mit in die Schule. Alle Kinder stellten ihre Gækkebreve auf die Fensterbank: mit Bildern von bunten Eiern, gelben Küken und einem Papierhasen. Und mittendrin: das schlichte, weiße Schneeglöckchen im Spitzenmuster.
Vor jedem Brief blieb jemand stehen. „Deins glitzert“, „deins ist lustig“, riefen die Kinder durcheinander.
Vor dem Schneeglöckchen blieb ein Mädchen stehen. „Deins ist irgendwie besonders“, sagte sie zum Jungen. „So zart und liebreizend.“
„Zart und liebreizend“, dachte das Schneeglöckchen. Zum ersten Mal fühlte es sich mehr klein und unscheinbar, sondern genau richtig.
Der Junge sah zu seinem Brief und lächelte.
„Ohne dich“, flüsterte er dem Schneeglöckchen zu, „wäre der Frühling für mich nur halb so schön.“
Da wusste die kleine Blume: Sie war keine langweilige, weiße Nichts-Blume. Sie war eine heimliche Heldin des Frühlings – ein Frühlingsschatz im Herzen eines Kindes.

Osterbrauch in Dänemark
In Dänemark ist das Gækkebrev ein traditioneller Osterbrauch: Kinder (und Erwachsene) basteln aus gefaltetem Papier fein ausgeschnittene „Spitzenbriefe“, und schreiben ein kleines Gedicht oder einen Reim hinein. Der Brief wird anonym verschickt; statt des Namens setzt der Absender Punkte (ein Punkt pro Buchstabe). Der Empfänger muss erraten, von wem der Brief ist – gelingt es ihm nicht, schuldet er dem Absender traditionell ein (Schoko-)Osterei.
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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
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