Geschichte bzw. Ostergeschichte: Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea

Ostergeschichte: Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea

von Betina Graf

Geschichte bzw. Ostergeschichte: Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea

In dieser Ostergeschichte lernen Kinder eine besondere Tradition aus der Ukraine kennen: Pysanky – Eier, auf die man mit Wachs kleine Zeichen für Mut, Hoffnung und Schutz „schreibt“. Mila will so ein Ei für ihre beste Freundin Lea gestalten, die im Krankenhaus liegt. Ob ein einziges buntes Ei wirklich trösten kann, wenn man nachts ohne Mama und Papa im Krankenzimmer liegt?


Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch aus der Ukraine

Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:

KriteriumKlassifizierung
Gehört zuOstergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule
AltersgruppeZum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten)
Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule )
OsterbrauchPysanky (kunstvoll verzierte Ostereier) in der Ukraine
ThemenFreundschaft, Krankenhaus mit Trennung von den Eltern, Hoffnung, Mut und Trost durch Symbole
BotschaftenAuch wenn man nicht bei seiner Freundin sein kann, können liebevolle Gesten Nähe schenken.
Ein kleines, selbst gestaltetes Geschenk kann mehr trösten als etwas Großes Gekauftes.
Gefühle wie Angst und Sorge dürfen sein – aber man kann ihnen etwas Warmes und Liebevolles entgegensetzen.

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Geschichte bzw. Ostergeschichte: Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea

Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea

Ostergeschichte für Kinder erzählt von Betina Graf

Mila rührte vorsichtig in dem kleinen Glas mit roter Farbe. Auf dem Tisch lagen ausgeblasene Eier, Wachs, dünne Pinsel – und der feine Geruch von heißem Bienenwachs hing in der Luft. Neben ihr saß Babusja, ihre ukrainische Oma, mit einem Tuch im Haar.

„Heute machen wir Pysanky“, sagte Babusja. „Das sind keine normalen Ostereier. Wir schreiben mit Wachs Geschichten darauf. Geschichten vom Mut, von der Sonne, von Hoffnung.“

Mila nickte, aber ihr Blick war traurig. „Ich möchte ein Ei für Lea machen“, murmelte sie. „Sie liegt im Krankenhaus und verpasst das ganze Osterfest.“

Babusja legte ihr sanft die Hand auf den Rücken. „Dann bekommt Lea ein Pysanka-Ei, das ihr Mut macht, wenn Sie Angst hat. Ein Ei, das ihr zuflüstert: Du bist nicht allein.“

Sie nahm das kleine Werkzeug mit dem Metallröhrchen, tauchte es in das flüssige Wachs und zeigte Mila, wie man feine Linien auf das Ei zeichnet. „Was wünschst du Lea?“, fragte sie.

„Dass sie wieder gesund wird. Und dass sie keine Angst hat, wenn sie nachts ohne Mama und Papa im Krankenhaus ist.“, sagte Mila leise.

„Dann malen wir zuerst eine Sonne“, schlug Babusja vor. „Die Sonne sagt: Es wird wieder warm in deinem Herzen.“ Sie zog mit Wachs eine kleine runde Form, von der Strahlen abgingen.

Mila dachte nach. „Und Blumen für Freude? Lea liebt Gänseblümchen.“
„Sehr gut“, sagte Babusja. „Blumen sind wie kleine fröhliche Tupfer im Gras.“

Gemeinsam „schrieben“ sie mit Wachs Muster auf das Ei: eine Sonne, Blüten und kleine Wellen für Tränen, die davonfließen dürfen.

Überall dort, wo das Wachs lag, würde die Schale später hell bleiben, die Farbe setzte sich nur drum herum. Zuerst zeichneten sie die Stellen vor, die ganz hell sein sollten, und tauchten das Ei in gelbe Farbe. Dann malten sie neue Wachslinien darüber und legten das Ei in rote, zum Schluss in blaue Farbe.

So entstanden nach und nach dunklere Farbschichten, während die mit Wachs bedeckten Linien als helle Muster sichtbar blieben. Jede Schicht brauchte Zeit. Mila wurde ungeduldig, aber Babusja schmunzelte: „Gute Wünsche brauchen eben ihre Zeit.“

Am Ende hielten sie das Ei vorsichtig über eine Kerze. Das Wachs schmolz und glänzte, und darunter kamen leuchtende Muster hervor. Die Sonne strahlte, die Blumen tanzten, die kleinen Wellen sahen auf einmal aus wie Wege.

Am Ostermontag durfte Mila Lea im Krankenhaus besuchen. In ihrem Rucksack lag das Pysanka-Ei, in Watte gebettet. Leas Zimmer roch nach Desinfektionsmittel und ein bisschen nach Vanillepudding.

„Frohe Ostern“, sagte Mila und setzte sich aufs Bett. „Ich habe dir ein Wunsch-Ei mitgebracht.“

Leas Augen wurden groß. „Das ist das schönste Ei, das ich je gesehen habe“, flüsterte sie. Ganz vorsichtig nahm sie es in beide Hände.

Mila erklärte jedes Zeichen: „Hier ist die Sonne, damit du keine Angst im Dunkeln hast. Die Blumen sind für dein Lachen, wenn du wieder mit mir auf dem Spielplatz bist. Und diese Wellen hier … die nehmen deine Sorgen mit.“

Lea lächelte. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sich ihr Zimmer nicht mehr so fremd an. „Darf das Ei hier bleiben, bis ich wieder nach Hause darf?“, fragte sie.

„Natürlich“, sagte Mila. „Es passt auf dich auf.“

Babusja wartete draußen auf dem Flur und hörte, wie die beiden Mädchen im Krankenzimmer lachten. Sie nickte leise. Manchmal, dachte sie, ist so ein kleines Ei wertvoller als jedes große Geschenk – wenn ganz viel Liebe darin steckt.

Flagge der Ukraine

Flagge der Ukraine

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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:

Ostergeschichte „Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea“

Kleiner Hinweis: Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen ein Oster-Ratespiel für Grundschulkinder — damit können sie die Osterbräuche aus den Osterbrauch-Kindergeschichten von Viabilia spielerisch verschiedenen Ländern zuordnen.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!


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Ostergeschichte für Kinder: Ein Pysanka-Ei für die kranke Lea
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