Diese kurze Ostergeschichte führt Kinder nach Lettland zu Lieldienas, wo Weidenzweige traditionell für kleine „Gesundheitsschläge“ genutzt werden. Līga liebt die weichen Weidenkätzchen – und überzeugt die anderen Kinder, daraus ein sanftes „Frühlingskitzeln“ zu machen und die Zweige danach ins Wasser zu stellen. So zeigt die Geschichte, wie Kinder einen alten Brauch freundlich verändern und gleichzeitig achtsam mit der Natur umgehen können.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Kitzelzweige statt Haue“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zu diesem Osterbrauch in Lettland.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch in Lettland
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Kitzelzweige statt Haue“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 8 – 11 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Lieldienas in Lettland mit Weidenzweigen (Weidenkätzchen): traditionelles „Beklopfen“ für Gesundheit und Glück, hier kindgerecht als sanftes „Frühlingskitzeln“ gestaltet |
| Themen | Kinder gestalten Bräuche mit, Achtsamkeit gegenüber Natur, Grenzen beim „Spaß haben“, Rücksicht auf andere, Gemeinschaft im Dorf, Mut, eine Idee vorzuschlagen |
| Botschaften | Wer Pflanzen und Tiere mag, kann Bräuche so verändern, dass sie der Natur guttun. |
| Traditionen dürfen sich verändern und kinderfreundlicher werden. | |
| Man kann für Gesundheit und Gemeinschaft sorgen, ohne weh zu tun. |
Anzeige

Kitzelzweige statt Haue
Am Morgen von Lieldienas, dem lettischen Osterfest, spürte man schon den Frühling in der Luft. Die Sonne stand noch blass am Himmel, aber auf der Fensterbank standen schon Weidenzweige in einer Vase. Ihre weichen Kätzchen sahen aus wie kleine graue Mäuse ohne Schwanz.
Līga strich mit einem Finger darüber. „Ihr seid so weich“, flüsterte sie. „Ihr tut doch niemandem weh.“
„Beeil dich, Līga!“, rief Mama. „Wir gehen gleich zur Schaukel auf den Hügel.“
Draußen warteten schon die anderen Kinder aus dem Dorf. Viele hatten Weidenzweige in der Hand. Es war der Brauch: Man klopfte sich an Ostern mit den Zweigen auf Rücken oder Beine und sagte einen kleinen Spruch für Gesundheit und Glück.
„Bereit für ein paar Schläge?“ grinste Rūdis und schwang seinen Zweig in der Luft.
Līga schluckte. Sie mochte den Brauch – aber sie mochte auch die Weidenkätzchen. Und manchmal hauten die anderen zu doll zu.
„Nur nicht zu stark“, murmelte sie.
Sie gingen zusammen zum Hügel, wo die große Holzschaukel stand. Ein paar Kinder schaukelten schon, lachten, riefen. Es roch nach feuchtem Gras und Rauch vom ersten Grillfeuer.
„Lieldienas-Schläge!“ rief ein Mädchen namens Elza. Sie sprang hinter Rūdis und schlug mit ihrem Zweig gegen seine Beine.
„Aua!“, rief er, lachte aber. „Jetzt du, Līga!“
Er stellte sich breitbeinig vor sie. Līga hielt ihren Zweig fest. Sie sah die weichen Kätzchen, strich noch einmal kurz darüber und bekam plötzlich einen Kloß im Hals.
„Ich will nicht, dass sie kaputtgehen“, sagte sie.
„Es sind doch nur Zweige“, winkte Rūdis ab. „Hau zu!“
Līga schüttelte den Kopf. „Ich mag sie. Die Kätzchen können nichts dafür, dass wir damit schlagen.“
Ein paar Kinder lachten, aber nicht böse. „Dann mach’s halt zärtlich“, meinte Elza.
Da hatte Līga eine Idee. Ihr Gesicht hellte sich auf.
„Genau“, sagte sie. „Lasst uns heute Frühlingskitzeln machen. Kein Hauen! Nur ganz leichte Schläge. Wie eine Feder.“
„Frühlingskitzeln?“ wiederholte Rūdis und zog eine Augenbraue hoch.
Līga nickte. „Wir sagen den Spruch, aber wir klopfen nur so leicht, dass es sich eher wie ein Kitzeln anfühlt. Und danach stellen wir die Zweige ins Wasser. Vielleicht wachsen sie weiter.“
„Weidenzweige wachsen nicht“, meinte ein älterer Junge.
„Doch“, mischte sich plötzlich Oma Ieva ein, die die Kinder gehört hatte. „Manchmal schlagen sie Wurzeln, wenn man sie ins Wasser stellt. Die Weide ist zäh.“
Ein paar Kinder wurden neugierig.
„Also gut“, sagte Rūdis. „Erst Frühlingskitzeln, dann Weiden-Experiment.“
Er stellte sich wieder hin. Līga hob ihren Zweig, atmete tief durch und tippte ganz leicht gegen seine Jeans. Es machte kaum ein Geräusch, nur ein leises „schff“.
„Viel Gesundheit für dieses Jahr“, sagte sie dazu.
Rūdis kicherte. „Das war ja gar nichts!“
„Genau“, meinte Līga. „Es soll ja auch nicht wehtun. Nur Glück bringen.“
Jetzt wollten alle es ausprobieren. Sie bildeten einen Kreis, gingen reihum und tippten mit den Zweigen ganz sanft auf Schultern, Rücken und Beine. Es wurde viel gelacht, vor allem wegen des Kitzelgefühls.
„Kitzelfrühling!“ rief Elza irgendwann, und der Name blieb hängen.
Als sie müde vom Schaukeln und vom Kitzeln waren, gingen sie zusammen zu Līgas Haus. Mama stellte eine große Glasvase auf den Tisch, gefüllt mit Wasser.
„Wer möchte, kann seine Zweige hier hineinstellen“, sagte sie. „Wir schauen, was passiert.“
Die Kinder zögerten einen Moment. Es war ungewohnt, die Zweige nicht einfach wegzuwerfen. Dann legte zuerst Līga ihren Weidenzweig in die Vase. Rūdis folgte. Nach und nach steckten alle ihre Zweige hinein, bis es aussah wie ein kleiner Busch im Glas.
„Und wenn da Wurzeln kommen“, sagte Līga, „können wir sie später einpflanzen. Dann haben wir einen Lieldienas-Weidenbaum.“
„Unseren eigenen“, ergänzte Rūdis.
In den nächsten Tagen kamen die Kinder immer wieder bei Līga vorbei, um nach den Zweigen zu sehen. Erst tat sich gar nichts. Dann, ganz zart, zeigten sich an manchen Stellen kleine weiße Punkte, aus denen feine Wurzeln wuchsen.
„Siehste!“ rief Līga stolz. „Sie leben noch!“
„Vielleicht“, meinte Oma Ieva, „bringen uns eure Kitzelweiden dieses Jahr wirklich besonders viel Glück. Und ihr habt ihnen auch welches geschenkt.“

Osterbrauch in Lettland
In Lettland schneiden Familien zu Lieldienas (Ostern) Weidenzweige mit Weidenkätzchen, schmücken damit Haus und Tisch und „klopfen“ sich spielerisch leicht damit ab – als Wunsch für Gesundheit und Kraft im neuen Jahr. Für Kinder ist das ein fröhliches Ritual, bei dem Natur, Frühling und Gemeinschaft zusammenkommen. 🌿
Anzeige
Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
Sind Sie bei Pinterest?
Dann wäre es wunderbar, wenn Sie die Ostergeschichte „Kitzelzweige statt Haue“ über eines der folgenden drei Bilder via Pinterest teilen würden:



1
Albanien
Osterbrauch rot gefärbte Eier mit Verschenken an Nachbarn

5
Bosnien-Herzegowina
Osterbrauch, kleine Hufeisen auf Eiern anzubringen

12
Frankreich
Osterbrauch, bei dem fliegende Glocken Schokolade und Eier bringen

13
Griechenland
Osterbrauch, bei dem ein süßes Hefegebäck in Zopfform gebacken wird

16
Italien
Scoppio del Carro in Florenz: festlicher Wagen vor dem Dom

33
Schweden
Osterbrauch der Verkleidung als Osterhexen mit Birkenzweigen

38
Spanien
Osterbrauch des traditionellen Osterkuchens zum Ende der Fastenzeit

40
Ukraine
Kunstvoll verzierte Ostereier (Beschreiben der Eier mit Mustern)



















