Diese kurze Ostergeschichte führt in ein kroatisches Küstendorf, wo Kinder mit ihrer Baka (Oma) besondere Oster-Brotbabys backen – jedes mit einem eigenen Gesicht. Zwischen Hefe, Meerrauschen und Umzugskisten geht es um Abschied, Angst vor dem Neuen und darum, dass auch „schwere“ Gefühle an Ostern einen Platz haben dürfen.
Die Geschichte eignet sich gut zum Vorlesen in der Grundschule oder zu Hause, um mit Kindern über Emotionen, Familienrituale und Veränderungen zu sprechen.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Oster-Brotbabys im Küstendorf“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zu diesem Osterbrauch an der kroatischen Küste.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch an der kroatischen Küste
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Oster-Brotbabys im Küstendorf“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 8 – 11 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Oster-Brotbabys (uskrsne bebe) in Kroatien: süßer Hefeteig in Babyform mit gefärbtem Ei als „Kopf“, gemeinsam gebacken und zu Ostern gegessen |
| Themen | Familie und Generationen (Enkelin & Baka), Abschied und Umzug, Gefühle zeigen (Traurigkeit, Angst, Mut), Ostertraditionen als Halt bei Veränderungen, über Gefühle sprechen im Familienritual |
| Botschaften | Auch traurige Gefühle dürfen an Festtagen da sein – sie machen Ostern nicht „kaputt“. |
| Wenn man über seine Angst vor Veränderungen spricht, wird sie oft leichter. | |
| Gemeinsame Rituale und kleine Symbole (wie die Brotbabys) können helfen, Abschied und Neubeginn mutiger zu erleben. |
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Oster-Brotbabys im Küstendorf
Nika lebte in einem kleinen Küstendorf in Kroatien. Am liebsten war sie in der Küche ihrer Großmutter. Alle nannten sie nur Baka – so sagt man dort zur Oma.
Es war Karsamstag, der Duft von Hefe und Orange hing in der Luft. Am Tisch saßen schon ihr kleiner Bruder Petar und ihre Cousine Maja, als Nika hereinkam.
„Heute backen wir wieder unsere Oster-Brotbabys“, sagte Baka. „Auf Kroatisch heißen sie uskrsne bebe. Ohne Brotbabys ist es kein richtiges Ostern.“
Auf dem Tisch lag ein großer Berg süßer Teig. Daneben standen Schalen mit bunt gefärbten Eiern. Nika, Petar und Maja wuschen sich schnell die Hände. Jetzt folgte ihr wichtigstes Oster-Ritual:
Sie rollten Teigstränge, formten kleine Körper und wickelten Streifen darüber, bis jedes Stück aussah wie ein eingekuschelt liegendes Baby. In die Mitte drückten sie vorsichtig ein Ei.
„Das Ei ist der Kopf“, erklärte Baka. „Damit unsere Brotbabys sehen können, was an Ostern passiert.“
Petar lachte, Maja kicherte. Nur Nika schwieg. Im Flur standen schon Umzugskisten. Nach den Ferien würde sie mit Mama und Papa in eine Stadt ziehen. Weg vom Meer. Weg von Baka. Weg von dieser Küche, in der es nach Hefe und Orange roch.
Als die Brotbabys aus dem Ofen kamen, duftete die ganze Küche. Baka stellte sie auf den Tisch und holte Filzstifte und kleine Pinsel.
„Jetzt bekommen sie Gesichter“, sagte sie. „Nur auf die Schale malen – sonst gibt es Rührei.“
Maja griff sofort zu. „Meins ist fröhlich!“ Sie malte zwei lachende Augen und einen Mund, der fast bis zu den Ohren ging. Petar zeichnete einen offenen Mund und riesige Augen. „Mein Brotbaby schreit: ‚Mehr Schinken!‘“, rief er.
Nika drehte ihr Ei langsam in den Fingern. Ein fröhliches Gesicht, das wäre doch richtig für Ostern, dachte sie. Aber in ihrer Brust fühlte es sich schwer an. Sie dachte an die neue Schule, an ein Zimmer, das sie noch nicht kannte, und an Baka, die dann nur noch im Handy auftauchen würde.
Ihre Hand bewegte sich wie von selbst. Sie malte zwei dunkle Augen, einen Mund, der leicht nach unten zeigte, und ganz vorsichtig eine kleine Träne an der Seite.
„Ui“, staunte Petar. „Dein Brotbaby ist ja richtig traurig.“
Maja beugte sich näher. „Hat es etwa keine Schokolade bekommen?“
Nika wollte schon einen Witz machen, doch da sah Baka ihr Ei. Sie setzte sich neben sie.
„Das ist ein trauriges Gesicht“, sagte sie leise.
„Traurig ist eigentlich schlecht für Ostern“, flüsterte Nika.
„Nicht unbedingt“, antwortete Baka. „Manchmal brauchen Menschen gerade dann Ostern, wenn sie traurig sind. Wenn sich etwas ändert. Wenn man Abschied nehmen muss.“ Sie legte Nika den Arm um die Schultern. „Vielleicht fühlt sich dein Brotbaby so wie du.“
Nika schluckte. „Ich will nicht wegziehen“, brachte sie heraus. „Ich will hier bleiben. Bei dir. Bei unseren Brotbabys. Bei allem.“
Es wurde still in der Küche. Man hörte nur den Kühlschrank leise brummen und draußen das Meer rauschen.
Dann räusperte sich Maja. „Mein Brotbaby wird mutig“, sagte sie und malte eine hochgezogene Augenbraue und einen entschlossenen Mund. „Für mich, wenn ich mich in der Schule melde, obwohl ich Angst habe.“
Petar kritzelte rasch eine kleine Zunge in sein lachendes Gesicht. „Meins hat Angst vorm Eierklopfen bei Onkel Niko“, gab er zu. „Aber es lacht trotzdem über sich selbst.“
Baka nickte. „Jetzt haben wir einen traurigen Gast, einen mutigen und einen, der Angst und Quatsch mischt“, sagte sie. „Das ist schon eine ganze Familie von Gefühlen.“
Am Ostersonntag stand der Tisch voll mit Essen – Schinken, Käse, Brot – und mittendrin die Oster-Brotbabys mit ihren verschiedenen Gesichtern. Bevor jemand zugreifen durfte, hob Baka die Hand.
„Heute“, sagte sie, „erzählt jeder kurz, warum sein Brotbaby so schaut.“
Sie sprachen nacheinander von Aufregung, Mut, Angst und heimlichen Sorgen. Als Nika an der Reihe war, erzählte sie vom Umzug. Diesmal ganz ohne zu flüstern.
Niemand lachte. Mama drückte ihre Schulter. Papa versprach: „Wir kommen oft zurück ins Dorf – und zu Ostern erst recht.“
Baka nickte. „Ich backe hier weiter unsere Brotbabys, und wenn du zu Ostern kommst, machen wir sie wieder zusammen.“

Osterbrauch in Kroatien
In Kroatien gibt es an der Küste – vor allem in Primorje und Istrien – den Brauch, zu Ostern süße Oster-Brotbabys zu backen, auf Kroatisch primorski uskrsne bebe („Osterbabys aus Primorje“). Grundlage ist ein leicht gesüßter Hefeteig, ähnlich dem klassischen Osterbrot pinca. Der Teig wird um ein hartgekochtes, gefärbtes Ei geflochten, sodass es aussieht, als liege ein kleines Baby im „Wickeltuch“; das Ei bildet dabei den Kopf.
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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
Sind Sie bei Pinterest?
Dann wäre es wunderbar, wenn Sie die Ostergeschichte „Oster-Brotbabys im Küstendorf“ über eines der folgenden drei Bilder via Pinterest teilen würden:



1
Albanien
Osterbrauch rot gefärbte Eier mit Verschenken an Nachbarn

5
Bosnien-Herzegowina
Osterbrauch, kleine Hufeisen auf Eiern anzubringen

12
Frankreich
Osterbrauch, bei dem fliegende Glocken Schokolade und Eier bringen

13
Griechenland
Osterbrauch, bei dem ein süßes Hefegebäck in Zopfform gebacken wird

16
Italien
Scoppio del Carro in Florenz: festlicher Wagen vor dem Dom

33
Schweden
Osterbrauch der Verkleidung als Osterhexen mit Birkenzweigen

38
Spanien
Osterbrauch des traditionellen Osterkuchens zum Ende der Fastenzeit

40
Ukraine
Kunstvoll verzierte Ostereier (Beschreiben der Eier mit Mustern)



















