Diese kurze Ostergeschichte führt Kinder nach Florenz zum Scoppio del Carro, dem traditionellen Osterfeuerwerk vor dem Dom – erzählt aus der Sicht eines Jungen, der diesmal nicht in der ersten Reihe steht. Statt perfekter Handyfotos entdeckt Luca an der Seite seiner Nonna, was hinter Wagen, Taube und Funkenregen steckt: Erinnerungen, Weitergabe von Tradition und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Die Geschichte eignet sich gut zum Vorlesen in der Grundschule oder zu Hause, um mit Kindern über Bräuche, Perspektiven und geteilte Familiengeschichten ins Gespräch zu kommen.
Unten auf der Seite gibt es die Ostergeschichte „Zwischen Menschenmeer und Funkenhimmel“ als PDF zum Download sowie Quizkarten zum isländischen Osterbrauch des großen Schoko-Eis mit Spruch drin.
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch in Italien
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Zwischen Menschenmeer und Funkenhimmel“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 8 – 11 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Scoppio del Carro in Florenz, Italien: festlicher Wagen vor dem Dom, mechanische Taube („colombina“) und Funkenregen als traditioneller Osterbrauch |
| Themen | Osterbräuche in Italien, Familie und Generationen (Enkel & Nonna), Geschichten weitergeben, Perspektive wechseln (nicht in der ersten Reihe stehen), Zugehörigkeit, „mehr sehen“ als nur Feuerwerk und Fotos |
| Botschaften | Man muss nicht in der ersten Reihe stehen, um etwas Wichtiges mitzuerleben. |
| Ältere Menschen tragen Erinnerungen und Wissen, die Bräuche lebendig machen. | |
| Feste wie Ostern leben von geteilten Geschichten, Gemeinschaft und dem Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein – nicht nur von Fotos und perfekter Sicht. |
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Zwischen Menschenmeer und Funkenhimmel
Am Ostersonntag war der Platz vor dem Dom von Florenz so voll, dass Luca kaum die Steine unter seinen Füßen sehen konnte. Überall waren Menschen, Stimmen, Fahnen. In der Mitte stand der Wagen, hoch und bunt, bereit für den „Scoppio del Carro“.
„Wir müssen nach vorne!“, drängte Luca. „Sonst sehe ich ja gar nichts!“
Nonna schüttelte den Kopf. „Meine Beine machen heute nicht mehr so mit“, sagte sie und zeigte auf eine Steinbank am Rand. „Setzen wir uns hier hin, sì?“
Luca seufzte. Von dort aus sah man nur die Köpfe der Leute, ein paar bunte Bänder über ihnen und ein kleines Stück vom Wagen. Kein perfekter Blick. Kein gutes Foto. Er verschränkte die Arme.
„Alle anderen stehen viel näher“, widersprach er trotzig.
Nonna betrachtete ihn eine Weile und lächelte dann. „Weißt du, früher war ich jedes Jahr ganz vorne dabei. Ich habe sogar beim Wagen mitgeholfen. Jetzt kann ich das nicht mehr. Aber ich kann dir etwas anderes geben.“
„Was denn?“, fragte Luca misstrauisch.
„Die Geschichte dahinter“, antwortete sie und beugte sich ein Stück zu ihm. „Siehst du die großen Räder? Früher kamen die Bauern mit ihren Wagen in die Stadt, mit Getreide und Oliven. Der Wagen heute erinnert daran, dass wir für eine gute Ernte dankbar sind.“
Luca folgte ihrem Blick. Von ihrem Platz aus konnte er tatsächlich eines der Räder erkennen, riesig und dunkel.
„Und die Taube?“, fragte er. „Die da aus dem Dom fliegt?“
„Sie heißt ‚colombina‘“, sagte Nonna. „Sie steht für Frieden. Wenn sie ihren Weg gut schafft, sagen die Leute, wird das Jahr ein gutes. Aber weißt du, was mir wichtiger ist?“
Luca schüttelte den Kopf.
„Dass wir merken, dass wir nicht allein sind“, erklärte Nonna. „Die Taube fliegt nicht für einen, sie fliegt für uns alle hier.“
Luca blickte in die Menge. Plötzlich sah er nicht mehr nur Rücken, sondern Familien, Kinder auf Schultern, einen Mann mit Kind auf dem Arm, eine Frau mit Einkaufsbeutel, Touristen mit Hüten. Alle warteten auf denselben Moment.
Die Glocken des Doms begannen zu läuten. Ein Raunen ging durch die Menschen. Luca spürte, wie es in ihm kribbelte, obwohl er noch immer nicht alles sehen konnte.
„Nonna“, flüsterte er. „Was ist mit dem Feuerwerk?“
„Das Licht steht dafür, dass nach dunklen Zeiten etwas Helles kommen kann“, sagte sie. „So wie nach dem Winter der Frühling.“
Luca stellte sich vor, wie es gewesen war, als Nonna jung gewesen war, ganz vorne am Wagen, mit bunten Bändern in der Hand. Er spürte ihre Hand jetzt warm auf seiner.
Drinnen im Dom surrte die Mechanik. Jemand rief: „Die Taube!“
Luca sah sie nicht genau, nur ein kleines, schnelles Blitzen, das vom Dom in Richtung Wagen schoss. Einen Moment lang hielt der ganze Platz den Atem an. Dann kam ein Knall, ein zweiter, tausend Funken stiegen in den Himmel.
Die Leute jubelten. Einige hielten ihre Handys hoch und filmten. Luca schaute einfach nur nach oben. Die Funken wurden zu goldenen Punkten, die kurz über den Dächern tanzten und dann verschwanden.
„Ich hab gar kein Foto gemacht“, sagte er leise.
„Du hast es dir gemerkt“, antwortete Nonna. „Das ist manchmal besser.“
Luca nickte. In seinem Kopf sah er den Wagen, die Räder, die unsichtbare Taube, die Menschen um ihn herum, Nonna auf der Bank. All das gehörte jetzt zu seiner eigenen Geschichte vom Scoppio del Carro.
„Nonna?“, fragte er, als der Lärm langsam verebbte. „Kannst du mir zu Hause noch mehr erzählen? Von früher? Wie es war, als du vorne standest?“
Nonna lächelte so breit wie der Domplatz. „Nur, wenn du mir versprichst, mir nächstes Jahr deine Version zu erzählen. Wie du es gesehen hast.“
Luca grinste. „Abgemacht!“

Osterbrauch in Italien
Der Scoppio del Carro ist ein traditionsreicher Osterbrauch in Florenz: Am Ostersonntag wird ein reich geschmückter Wagen („Carro“) von Ochsen oder einem Zugfahrzeug durch die Stadt bis vor den Dom gezogen. Während der Messe im Dom wird eine kleine mechanische Taube („colombina“) entzündet und entlang eines Seils nach draußen geschickt. Erreicht sie den Wagen, löst sie ein Feuerwerk aus, das als bunter Funkenregen über dem Platz aufleuchtet.
Der Brauch soll Glück, Frieden und eine gute Ernte für das kommende Jahr bringen und verbindet religiöse Tradition mit einem eindrucksvollen Stadtfest. Für viele Familien gehört es fest zu Ostern, auf dem Domplatz den Weg der Taube zu verfolgen, den Funkenregen zu bestaunen und so Teil eines gemeinsamen, jahrhundertealten Rituals zu sein.
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Ostergeschichte als PDF-Datei zum Ausdrucken:
Kleiner Hinweis: Sammeln Sie die Quizkarten zu jeder Osterbrauch-Geschichte von Viabilia, dann entsteht nach und nach ein kleines Europa-Osterquiz, mit dem Kinder spielerisch entdecken können, wie unterschiedlich Ostern in den verschiedenen Ländern gefeiert wird. Demnächst bekommen alle Newsletter-Abonnent*innen eine kleine Zugabe zu diesen Quizkarten.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit den Ostergeschichten!
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1
Albanien
Osterbrauch rot gefärbte Eier mit Verschenken an Nachbarn

5
Bosnien-Herzegowina
Osterbrauch, kleine Hufeisen auf Eiern anzubringen

12
Frankreich
Osterbrauch, bei dem fliegende Glocken Schokolade und Eier bringen

13
Griechenland
Osterbrauch, bei dem ein süßes Hefegebäck in Zopfform gebacken wird

16
Italien
Scoppio del Carro in Florenz: festlicher Wagen vor dem Dom

33
Schweden
Osterbrauch der Verkleidung als Osterhexen mit Birkenzweigen

38
Spanien
Osterbrauch des traditionellen Osterkuchens zum Ende der Fastenzeit

40
Ukraine
Kunstvoll verzierte Ostereier (Beschreiben der Eier mit Mustern)



















