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Einsiedlers Heiliger Abend: Ich hab' in den Weihnachtstagen ...
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Auch dies gehört zu Weihnachten: es gibt Menschen, die zu Weihnachten allein sind.

Einsiedlers Heiliger Abend: Ich hab' in den Weihnachtstagen ...

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab’ in den Weihnachtstagen
ich weiß auch warum –
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein,
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck,
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgunderner Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
da hat’s an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder!
Ich aber rief nicht: “Herein!”

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
und dankte auf krumme Weise
lallend dem lieben Gott.

 

Joachim Ringelnatz

(geb. 7.8.1883 in Wurzen – 17.11.1934), deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler

Foto: @ eismannhans, pixabay.de
Spruch-ID 1885 (Weihnachten: Weihnachtsgedichte über die heilige Nacht) gehört zu Gedichte - neutral, benötigt Humor
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