Inspirationen auf dem Lebensweg
Betina Graf Über Viabilia
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Meiner Mutter Du warst allein, ich sah durchs ...

Du warst allein, ich sah durchs Schlüsselloch

Meiner Mutter

Du warst allein,
ich sah durchs Schlüsselloch
den matten Schein
der Lampe noch.

Was stand ich nur und trat nicht ein?
Und brannte doch,
und war mir doch, es müsste sein,
dass ich noch einmal deine Stirne strich
und zärtlich flüsterte: Wie lieb ich dich!

Die alte böse Scheu,
dir ganz mein Herz zu zeigen,
sie quält mich immer neu.
Nun lieg ich durch die lange Nacht
und horche in das Schweigen –
ob wohl dein weißes Haupt noch wacht?

Und einmal hab ich leis gelacht:
Was sorgst du noch,
sie weiß es doch,
sie hat gar feine Ohren,
ihr geht von deines Herzens Schlag,
obwohl die Lippe schweigen mag,
auch nicht ein leiser Ton verloren.

 

Gustav Falke

(geb. 11.1.1853 in Lübeck – 8.2.1916), deutscher Schriftsteller

Bild von Dean Moriarty auf Pixabay
Spruch-ID 1444 (Muttertag: Gedichte aus der Literatur) gehört zu Gedichte - humorvoll
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