Inspirationen auf dem Lebensweg
mehr zum Thema Herbst
Im Herbst: Der schöne Sommer ging von hinnen, der ...
Bitte bewerten Sie:

Im Herbst: Der schöne Sommer ging von hinnen, der ...

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der Reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübtem Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Wilhelm Busch

(geb. 15.4.1832 in Wiedensahl – 9.1.1908), genauer: Heinrich Christian Wilhelm Busch, humoristischer Dichter und Zeichner

Foto: @ uroburos, pixabay.de
Spruch-ID 1943 (Herbst / Herbstgedichte) gehört zu Gedichte - klassisch
Zum Spruch des Tages Spruch des Tages - Archiv

(Gedichte-Auszug)

Das komplette Herbstgedicht von Wilhelm-Busch lautet:

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübtem Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn,
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.

Zugehörige Spruchseiten
Mehr über den Herbst

Ähnliche Sprüche wie dieser Spruch

Reife Äpfel im Herbst

Kommt, von allerreifsten Früchten
mit Geschmack und Lust zu speisen!
Über Rosen lässt sich dichten,
in die Äpfel muss man beißen.

Johann Wolfgang von Goethe

Äpfellese

Das ist ein reicher Segen
in Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Lasst uns die Zweige biegen,
dass jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
wir holen sie mit Stangen
und Haken all’ heran.

Und ist das Werk vollendet,
so wird auch uns gespendet
ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh’n wir fort und bringen
die Äpfel heim und singen
dem Herbste Lob und Preis.

Hoffmann von Fallersleben
Grauer Novembertag

Novembertag

Geht ein sonnenloser Tag
wiederum zur Neige,
und der graue Nebel tropft
durch die kahlen Zweige.

Leise atmend ruht die See,
müde, traumumsponnen …
eine Woge, schaumgekrönt,
ist im Sand zerronnen.

Clara Müller-Jahnke

Und sind die Blumen abgeblüht,
so brecht der Äpfel goldne Bälle!
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
nun schätzt endlich das Reelle!

Theodor Storm
Reife Trauben im Herbst

Wer glaubt,
alle Früchte
werden mit den
Erdbeeren reif,
versteht nichts
von den Trauben.

Paracelsus
Verwelktes Blatt im November, im Herbst

Ein Geschenk, freundlich und kostbar,
ist ein Novembertag in Dur und Gold.

Markus P. Baumeler

Herbst

Ich sah den Wald sich färben,
die Luft war grau und stumm;
mir war betrübt zum Sterben,
und wusst’ es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
hertrieb das dürre Laub;
da dacht’ ich: deine Freude
ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
dein reicher Sommer schwand;
an die gefrorne Scholle
bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floss ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
das Lied ins Ohr mir kam,
fühlt’ ich’s wie Trost mir dringen
zum Herzen wundersam.

Es mahnt’ aus heller Kehle
mich ja der flücht’ge Gast:
Vergiss, o Menschenseele,
nicht, dass du Flügel hast.

Emanuel Geibel
Japanisch - Hyakunin isshu - vom Herbst ergriffen

Vom Herbst bin ich ergriffen,
wenn ich die Stimme
der röhrenden Hirsche höre,
tief in den Bergen
das Laub durchschreitend.

Hyakunin isshu Nr. 5, Übersetzung der Viabilia-Redaktion

Sarumaru Dayû

Übersetzung von der Viabilia-Redaktion

Oku-yama ni
momiji fumi-wake
naku shika no
kowe kiku toki zo
aki wa kanashiki

Die Umschrift in lateinischen Buchstaben orientiert sich an modernen Aussprache-Standards.

Dieser Spruch stammt aus dem Hyakunin isshu, einer japanischen Gedichtanthologie, die vor rund 800 Jahren von Fujiwara Teika kompiliert wurde – manche der Gedichte sind jedoch wesentlich älter. Dieses Gedicht (Nr. 5 im Hyakunin isshu) stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Grammatikalisch kann sich „tief in den Bergen das Laub durchschreiten“ auf das lyrische Ich oder die röhrenden Hirsche beziehen.

Spruch bewerten, drucken und teilen
Haus im Nebel an Steilhang

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern
Die Ernte im Herbst genießen

Was der Frühling nicht sät,
kann der Sommer nicht reifen,
der Herbst nicht ernten,
der Winter nicht genießen.

Johann Gottfried von Herder

Das Schöne ist, dass wir als Menschen sinnbildlich zu jeder Jahreszeit gute Samen säen können. Auch wenn wir es nicht in der Hand haben, welche Samen auf guten Boden fallen, so werden doch einige aufgehen.

Spruch bewerten, drucken und teilen
Apfelernte

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel
Herbststimmung in den Bergen

Jetzt ist es Herbst

Jetzt ist es Herbst,
die Welt ward weit,
die Berge öffnen ihre Arme
und reichen dir Unendlichkeit.
Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
die Bäume sehen in den Staub,
sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

Jetzt ist es Herbst,
das Herz ward weit.
Das Herz, das viel gewandert ist,
das sich verjüngt mit Lust und List,
das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

Max Dauthendey
Frohe Herbsttage!

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit
im Kahn den blauen Fluss hinunter
wie schön sich Bild an Bildchen reiht,
das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Trakl

So regnet es sich langsam ein…

So regnet es sich langsam ein
und immer kürzer wird der Tag
und immer seltener der Sonnenschein.

Ich sah am Waldrand gestern
ein paar Rosen stehn.
Gib mir die Hand und komm…
wir wollen sie uns pflücken gehn.

Es werden wohl die Letzten sein!

Cäsar Flaischlen