In dieser Ostergeschichte will Niko sein Tsoureki, das süße griechische Osterbrot mit dem roten Ei in der Mitte, eigentlich ganz für sich und seine Eltern behalten. Doch dann erinnert er sich an die Worte seines Großvaters: „Tsoureki schmeckt doppelt so gut, wenn man es teilt.“ Was passiert, wenn er mit seinem Osterbrot plötzlich durchs ganze Treppenhaus zieht?
Steckbrief zur Ostergeschichte mit dem Osterbrauch aus Griechenland
Hier zunächst eine kurze Übersicht zur Geschichte „Ein Osterzopf für nebenan“ – mit Altersgruppe, Themen und zentralen Botschaften:
| Kriterium | Klassifizierung |
|---|---|
| Gehört zu | Ostergeschichten, Kindergeschichten, kurze Geschichten, Geschichten für die Grundschule |
| Altersgruppe | Zum Vorlesen: ca. 5 bis 9 Jahre (Lesezeit 3 bis 4 Minuten) Zum Selberlesen: ca. 7 – 10 Jahre (Grundschule ) |
| Osterbrauch | Osterzopf (Tsoureki) in Griechenland |
| Themen | Teilen und Gastfreundschaft, Nachbarschaft und Miteinander, Ankommen in einem neuen Land, Familienerinnerungen und Traditionen |
| Botschaften | Teilen macht Freude größer – ein halbes Brot kann sich „doppelt so gut“ anfühlen. |
| Traditionen werden lebendig, wenn man sie mit anderen teilt und dadurch Brücken baut. | |
| Auch im neuen Umfeld kann man ein Stück Heimat bewahren und andere daran teilhaben lassen. |
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Ein Osterzopf für nebenan
Niko lief in Socken durch die Küche und folgte mit der Nase dem Duft. Es roch nach Orange, Vanille und ein bisschen nach Hefe. Auf dem Tisch lag ein großer Teigklumpen, daneben eine Schüssel mit roten Eiern.
„Backen wir Tsoureki, Mama?“, fragte er.
„Ja“, lächelte Mama. „So wie in Griechenland. Süßes Osterbrot mit einem roten Ei in der Mitte. Dieses Jahr machen wir einen großen Zopf.“
Niko wohnte mit seinen Eltern in einem deutschen Mehrfamilienhaus. Er mochte die Stadt, aber manchmal vermisste er die laute, volle Küche seiner Großeltern im Dorf in Griechenland. Dort hatten alle Nachbarn ein Stück Tsoureki bekommen, wenn es fertig war.
Mama knetete den Teig und gab ihm ein Stück. „Hilfst du mir, Niko? Wir brauchen viele Hände.“
Gemeinsam rollten sie drei lange Stränge. Mama flocht sie zu einem dicken Zopf. Niko drückte vorsichtig ein knallrotes Ei in die Mitte.
„Für uns drei“, sagte er zufrieden. „Nur für uns.“
Mama sah ihn an. „Weißt du noch, was Papou immer gesagt hat? Tsoureki schmeckt doppelt so gut, wenn man es mit jemandem teilt, der sonst keins hat.“
Niko dachte an früher. An die Nachbarin, die immer allein war und trotzdem an der Tür gelächelt hatte, wenn sie ein Stück vom Zopf bekam. Hier, im neuen Haus, kannte er kaum jemanden. Nur das ältere Ehepaar unten und die neue Familie nebenan – die mit dem Mädchen, das so schüchtern im Treppenhaus grüßte.
„Aber unser Tsoureki ist doch gar nicht so groß“, murmelte er. „Was, wenn nicht genug für uns bleibt?“
Mama strich ihm über den Kopf. „Es bleibt immer genug, wenn man teilt“, meinte sie sanft.
Als das Brot aus dem Ofen kam, war es golden und glänzte. Das rote Ei leuchtete wie ein kleiner Schatz. Niko hätte am liebsten sofort das Endstück abgebissen.
Stattdessen schnitt Mama das Tsoureki in dicke Scheiben. „Hilfst du mir beim Austragen?“
Sie legten die Scheiben auf kleine Teller. Zwei Stücke für das Ehepaar unten und drei für die Familie nebenan. Niko seufzte. „Jetzt ist es nur noch ein halbes Tsoureki.“
„Warte ab“, sagte Mama.
Sie klingelten zuerst unten. Der ältere Herr öffnete. Als er den Teller sah, wurden seine Augen groß. „Ach, süßes Osterbrot! Das kenne ich von früher aus meiner Heimat“, sagte er. „Danke, mein Junge.“
Niko fühlte ein Kribbeln im Bauch.
Bei der Wohnung nebenan öffnete das schüchterne Mädchen. Ihre Mutter kam dazu. „Wir feiern Ostern sonst gar nicht so groß“, erklärte sie. „Aber so ein besonderes Brot probieren wir sehr gern.“
Das Mädchen lächelte ein kleines bisschen. „Danke“, flüsterte sie.
Zurück in der eigenen Küche war wirklich nur noch ein halbes Tsoureki übrig. Niko setzte sich an den Tisch und biss schließlich in sein Stück. Es schmeckte süß und weich – und Niko hatte das Gefühl, er konnte es diesmal doppelt genießen.
„Und?“, fragte Mama.
Niko kaute nachdenklich. In seinem Kopf sah er das Lächeln des alten Mannes und das schüchterne Mädchen mit dem Teller in der Hand.
„Papou hatte recht“, sagte er schließlich. „Tsoureki schmeckt besser, wenn man es mit anderen teilt.“
Mama lachte. „Das ist das Geheimnis von Ostern“, meinte sie. „Wenn du etwas von deinem Brot, deiner Zeit oder deinem Lachen teilst, wird die Freude größer.“
Niko sah auf das halbe Tsoureki. Plötzlich merkte er: Das Brot machte ihn satt – und bei jedem Bissen wurde er fröhlicher.

Flagge von Griechenland
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