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Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, ...
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Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, ...

Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um sich fern vom lärmenden Leben ganz der Meditation und dem Gebet widmen zu können. Einmal kam ein Wanderer zu seiner Einsiedelei, und bat ihn um etwas Wasser. Der Mönch ging mit ihm zur Zisterne.

Dankbar trank der Fremde den ihm gereichten Becher leer, und fragte dann: “Sag’ mir, welchen Sinn siehst du in deinem Leben in der Stille?” Der Mönch wies mit einer Geste auf das aufgewühlte Wasser und antwortete: “Schau’ in die Zisterne. Was siehst du?” Der Wanderer blickte hinein, hob dann den Kopf und sagte: “Ich sehe nichts.”

Nach einer kleinen Weile forderte der Mönch ihn nochmal auf: “Schau’ in das Wasser der Zisterne. Was siehst du jetzt?” Noch einmal blickte der Fremde auf das Wasser und antwortete: “Jetzt sehe ich mich selber!”

“Damit ist deine Frage beantwortet”, erklärte der Mönch. “Als du zum ersten Mal in die Zisterne schautest, war das Wasser vom Schöpfen unruhig, und du konntest nichts erkennen. Jetzt ist das Wasser ruhig – und das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht und erkennt sich selbst!”

Volksweisheit / Volksgut

Bild: @ Antranias, pixabay
Spruch-ID 2419 (Einsamkeit, Zen-Weisheiten und Sprüche, Klarheit, Stille, Erkenntnis / Selbsterkenntnis, Ruhe: innere Ruhe / in sich ruhen / mit sich selber eins sein / in sich wohnen) gehört zu Kurzgeschichten, Metapher oder bildlicher Vergleich - neutral
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Einsamkeit ist das Los
aller hervorragender Geister.

Arthur Schopenhauer
Frau in Weiß in Einsamkeit

Jede starke Empfindung
muss in der Einsamkeit ausreifen.

Giovanni Segantini

Einsamkeit
ist der Aufschrei der Seele
nach Zuwendung.

Unbekannt

Einsamkeit

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen…

Rainer Maria Rilke

Du meine heilige Einsamkeit

Du meine heilige Einsamkeit,
du bist so reich und rein und weit
wie ein erwachender Garten.

Meine heilige Einsamkeit du –
halte die goldenen Türen zu,
vor denen die Wünsche warten.

Rainer Maria Rilke

Einsamkeit des Herzens

Was die Hand auch mag ergreifen,
wohin meine Blicke streifen,
einsam steh’ ich und allein.
Gleich dem Alcyon fortgezogen
von des Meers bewegten Wogen,
find’ ich nie die Heimat mein.

In der Menschen Lustgewühle,
bei dem Tanz, beim frohen Spiele,
muss ich ewig einsam steh’n;
denn im lauten Glanz der Tage
können sie nicht meine Sprache
und mein Wollen nicht versteh’n.

Die Natur in ihrer Stille
fasst nicht eines Herzens Fülle,
das voll Sehnsucht zu ihr spricht.
Blumen blühen, Sterne scheinen; –
wie die Menschen lächeln, weinen, –
wissen Blum’ und Sterne nicht.

Dass der Leier Saiten klingen,
dass sich Lieder ihr entschwingen,
nimmer mir den Sinn verklärt.
Denn sie sind im Schmerz gesungen,
wie der Pelikan die Jungen
mit dem eignen Herzblut nährt.

Großer Geister Hochgedanken
heben über Raumes Schranken,
sind uns ewig lieb und nah’.
Aber in den hehren Kreisen
stehe zitternd zwischen Weisen
ich mit meiner Torheit da.

Wohin flüchten? – Was beginnen? –
ach, umsonst wär’ all’ mein Sinnen,
tönte nicht dein süßes Wort.
Deiner Liebe reiche Fluten
löschen meiner Sehnsucht Gluten,
tragen friedlich mich zum Port.

Ida Hahn-Hahn

Kleine Erläuterung: ein “Alcyon” ist ein Gürtelfischer, d.h. ein großer, auffälliger und lauter Eisvogel.

Einsamkeit, verbunden mit einem
klaren, heiteren Bewusstsein ist,
ich behaupte es, die einzig wahre Schule
für einen Geist von edlen Anlagen.

Gottfried Keller
Sonnenaufgang am Himmel mit Vögeln und Wolken

Zweifle nicht
am Blau des Himmels,
wenn über deinem Dach
dunkle Wolken stehen.

Unbekannt

Einsamkeit

Was ist wahre Einsamkeit?
Sind wir einsam, wenn das Leben
rings von Stille ist umgeben?
Wenn die rege Fantasie
uns in schaffender Magie
neu beseelt mit süßem Streben
Bilder der Vergangenheit? –
Ist das wahre Einsamkeit?

Oder wenn in stillen Gründen,
in des Waldes heil’ger Nacht,
Sonnenglanz in reiner Pracht
durch die leis’ bewegten Wipfel,
durch die glanzumsäumten Gipfel
nur verstohlen blickend, lacht,
und in den verworrnen Zweigen
selbst die kleinen Sänger schweigen?

Oder wenn in dunklen Mauern,
in des Kerkers engen Raum,
der Gefangene sich kaum
darf in seinen Ketten regen,
wenn sein Herz mit raschen Schlägen
nährt der Hoffnung Göttertraum,
und geteilt in Freud’ und Trauern,
Ahndungen ihn tief durchschauern? –

Nein, nur das ist Einsamkeit,
wenn sich Wesen um uns drangen,
denen nicht in zarten Klängen
sich vernehmbar macht das Herz,
oft voll Wonne, oft voll Schmerz –
die uns das Gemüth verengen
durch der Langeweile Leid – -
das ist wahre Einsamkeit!

Charlotte von Ahlefeld
Kahle Zweige, mit Eis umhüllt

Kahle Äste,
kahle Zweige –
winterschwarz.

Wer will, sieht
den Ansatz der Knospen.

Else Pannek

Zitatherkunft: narzissenleuchten.de

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Niemals bin ich allein.
Viele, die vor mir lebten und
fort von mir strebten, webten,
webten an meinem Sein.

Rainer Maria Rilke

Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein,
die Einsamkeit ertragen lernen,
weil sie eine Quelle des Glücks
und der Gemütsruhe ist.

Arthur Schopenhauer
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Vereinsamt

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,
schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist Du Narr
vor Winters in die Welt – entflohn?

Die Welt – ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
zur Winter – Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg’, Vogel, schnarr’
Dein Lied im Wüsten – Vogel -Ton! –
Versteck’, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein,
weh dem, der keine Heimat hat.

Friedrich Nietzsche

Einsamkeit

Nun ist es still da draußen,
die Wälder rauschen sacht,
die Ströme murmelnd rinnen,
es geht ein tiefes Sinnen
hin durch die tiefe Nacht.

Des Windes leises Wehen
säuselt im hohen Ried;
die Sterne droben kreisen,
tönend in ewigen Weisen
ihr ewig großes Lied.

Die Welt ist groß und prächtig
zu solcher stillen Zeit;
es schweigt das eigne Denken,
es will ins All versenken
sich stumm das eigne Leid.

Konrad von Prittwitz-Gaffron

Die Seele, die ganz sicher wäre,
dass sie irgendwo im Weltenraum
der Freundesseele begegnen wird,
sie würde ein Jahrtausend hindurch
in der Einsamkeit zufrieden und fröhlich sein.

Ralph Waldo Emerson
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