Inspirationen auf dem Lebensweg
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Schöne Sprüche und Weisheiten von Joachim Ringelnatz

(geb. 7.8.1883 in Wurzen - 17.11.1934), deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler

Ausgewählte Sprüche von Joachim Ringelnatz

An den Vater zum Geburtstag

Ich habe heut wieder lange gebrütet
und nach Geburtstagsreimen gehetzt.
Ich habe gediftelt. Ich habe gewütet.
Und zuletzt das ganze Geschreibsel zerfetzt.

Da dacht’ ich, wie das so oft mir geht:
Wenn jetzt der Vater hinter dir steht
und er sieht dich so krampfhaft dichten,
dann sagt er: „Ach mach doch keine Geschichten!“

Und wir sprechen kein Wörtchen vom 20. Mai –,
von den Wünschen, die ich ihm niederschrieb.
Wir küssen uns stumm und fühlen dabei –
wir haben einander so herzlich lieb.

Joachim Ringelnatz
Eine rote Weihnachtskerze

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.

Joachim Ringelnatz

Passend zur Vorweihnachtszeit könnte ein Mitbringsel etwas zum Räuchern sein. Ein Räucherwerk-Set zum Beispiel, dazu passend dieses Zitat als Geschenkanhänger. Weshalb nicht einmal mit etwas Besonderem überraschen? Weihnachtsdüfte mit Räucherwerk können ein besinnliches Gefühl für eine behagliche Weihnachtszeit schenken.

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Ein Weihnachtsgeschenk

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei, was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Joachim Ringelnatz

Die Adventszeit ist auch die Zeit der Überlegungen, was wir zu Weihnachten schenken wollen. Es ist eine Kunst, hier genau hinzusehen und sich zu fragen, worüber sich die zu Beschenkenden freuen würden. Dabei zählt nicht, wie teuer das Geschenk ist. Ein mit Liebe und Sorgfalt ausgesuchtes Geschenk oder etwas selbst Gemachtes kann genauso viel Freude bereiten.

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Geheimnisvolles Spinnennetz

Die Spinne spinnt in heimlichen Geweben.
Wenn heute Nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz

Das Motiv einer “Weberin des Schicksals” ist uralt und in der Form der germanischen Nornen, römischen Parzen und griechischen Moiren in verschiedenen indogermanischen Mythologien vertreten. Normalerweise sind es aber, anders als bei Joachim Ringelnatz, keine Spinnen, die die Fäden des Schicksals spinnen, sondern übernatürliche Frauenwesen. Umso schöner ist es, dass dieser Spruch die Macht, die Zukunft zu formen, an die für uns tatsächlich erreichbare Natur überträgt und mit der Silvesternacht, in der wir uns Richtung des neuen Jahres orientieren, in Verbindung bringt.

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Nichts ist sicher in Zeiten der Krise

Sicher ist,
dass nichts sicher ist,
selbst das nicht.

Joachim Ringelnatz

Wenn wir etwas lernen aus der Corona-Krise, dann das, dass nichts, was sicher erscheint, es jemals ist. Waren nicht zuerst die Meldungen über den Coronavirus aus China ganz weit weg von uns, als beträfen sie uns nicht? Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich Europa zu einem neuen Brandherd für den Virus. Der Großteil der Welt ist von dem Ausbruch des Coronavirus und seiner Bekämpfung betroffen. Gesundheitssysteme sind überfordert, sogar mitten in Europa.

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Humor ist der Knopf,
der verhindert, dass uns
der Kragen platzt.

Joachim Ringelnatz
Stilvolle Verpackung für Geschenke

Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk
du selber bist.

Joachim Ringelnatz
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Jeder spinnt auf seine Weise –
der eine laut, der andere leise.

Joachim Ringelnatz

Dass bald das neue Jahr beginnt,
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
genauso wie zu Pfingsten.

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute Nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz

Freude soll nimmer schweigen.
Freude soll offen sich zeigen.
Freude soll lachen, glänzen und singen.
Freude soll danken ein Leben lang.
Freude soll dir die Seele durchschauern.
Freude soll weiterschwingen.
Freude soll dauern ein Leben lang.

Joachim Ringelnatz
Erbsensuppe

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab’ in den Weihnachtstagen
ich weiß auch warum –
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein,
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken …

Joachim Ringelnatz

Da ist doch jemand, der in diesem weihnachtlichen Gedicht über den heiligen Abend der ganzen Geschichte trotzt. Ob das so gut geht? Als humoriges Weihnachtsgedicht mit Augenzwinkern ist das wohl anzusehen …

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Schönes Frühstück am Morgen

Morgenstund hat Gold im Mund

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
betiteln mich ”Euer Gnaden.“

Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz
Die Krippe symbolisiert für uns: Jesus Christus ist geboren!

Ein Fest naht,
ein Fest wie kein anderes.
Ein Fest, dessen Geist
die Welt umspannt und
über Berge und Täler
die Botschaft verkündet:

Christ ist geboren.

Joachim Ringelnatz

Wenn ich tot bin,
darfst Du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
und in fremden Kleidern Dir begegnen
und Dich segnen.

Joachim Ringelnatz
Weihnachtspäckchen

Zu einem Geschenk

Ich wollte dir was dedizieren,
nein schenken; was nicht zu viel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und die Messinggegenstände oxydieren.
Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach’ ich extra noch
was hinzu, auch kleine Witze.
Wär’ bei dem, was ich besitze,
etwas Altertümliches dabei –
doch was nützt dir eine Lanzenspitze!
An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.
Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.
Nein – das Sofa und so große Dinge
kommen überhaupt nicht in Betracht.
Außerdem gehören sie nicht mir.
Ach, ich hab’ die ganze letzte Nacht
rumgegrübelt, was ich dir
geben könnte. Schlief deshalb nur eine,
allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluß hab’ ich doch nur dies kleine,
lumpige beschißne Ding gefunden.
Aber gern hab’ ich für dich gewacht.
Was ich nicht vermochte, tu du’s:
Drücke du nun ein Auge zu.
Und bedenke, dass ich dir
fünf Stunden Wache schenke.
Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.

Joachim Ringelnatz

Wie schwer es ist, ein passendes Weihnachtsgeschenk zu finden, das wusste wohl schon Joachim Ringelnatz: Wie altertümlich sein Weihnachtsgedicht uns heute auch erscheinen mag, aus dem Gedicht spricht doch ein gewisser Witz. Und uns geht es heutzutage kaum anders, was die Auswahl von Weihnachtsgeschenken für unsere Lieben betrifft …

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Der Schlüssel zum neuen Jahr

Was würden Sie tun,
wenn Sie das neue Jahr
regieren könnten?

Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich die ersten Nächte schlaflos verbringen und darauf tagelang ängstlich und kleinlich ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.

Dann – hoffentlich – aber laut lachen und endlich den lieben Gott abends leise bitten, doch wieder nach seiner Weise das neue Jahr göttlich selber zu machen.

Joachim Ringelnatz

Der Glückwunsch

Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
wie eigentlich sein Hergang war
und ob ihn die Vergangenheit
bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
undeutlich und verlegen.

Weil man ihn nicht so ganz verstand,
so drückte man sich froh die Hand
und nahm ihn gern entgegen.

Joachim Ringelnatz
Figur aus Stein

Der Stein der Weisen
sieht dem Stein der Narren
zum Verwechseln ähnlich.

Joachim Ringelnatz
Neues Leben wächst als Symbol für Hoffnung und Aufbruch

Und auf einmal merkst du äußerlich:
wieviel Kummer zu dir kam,
wieviel Freundschaft leise von dir wich,
alles Lachen von dir nahm.

Fragst verwundert in die Tage.
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert deine Klage …
du fragst niemanden mehr.

Lernst es endlich, dich zu fügen,
von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
und erstickst, was dich grämt.

Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
längst zu lang ausgedehnt. – - –
Und auf einmal – -: Steht es neben dir,
an dich angelehnt – -

Was?
Das, was du so lang ersehnt.

Joachim Ringelnatz

Ein Gedicht, das das Schwere zwar aufzählt, das aber Hoffnung schenkt: Nach einer schweren Zeit kann – endlich – alles Schwierige zu Ende sein, und ein ganz neuer, lichtvoller Abschnitt beginnen. Selbst wenn wir in einer schwierigen Lebensphase das Licht am Ende eines Tunnels nicht sehen können, es kann sich auf einen Schlag alles zum Positiven wenden.

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Verzaubertes Bild mit Baum und Teich

Überall ist Wunderland.

Bild: © Johanna Wagner

Joachim Ringelnatz

Der gesamte Spruch lautet:

Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfband
wie irgendwo daneben.
Überall ist Dunkelheit.
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Wenn du einen Schneck behauchst,
schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Kognak tauchst,
sieht er weiße Mäuse.

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