Inspirationen auf dem Lebensweg
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Sprüche und Weisheiten von Luise Hensel

(geb. 10.3.1798 in Linum in Brandenburg - 18.12.1876), religiöse Dichterin

Ausgewählte Sprüche von Luise Hensel

Am Neujahrstage

Lass doch, Herr! in meinem Leben
nicht dies Jahr vergeblich sein;
gib Verlangen und Bestreben,
meine Seele dir zu weihn!
Lass mich nicht mein eigen sein!

Viele Jahre sind vorüber,
die im Leichtsinn ich durchlebt;
ach! Jetzt wär’ es mir viel lieber,
hätt’ ich ernst nach dir gestrebt,
nicht am Eiteln so geklebt.

Meine Seele liegt in Ketten
unter schwerer Sünden Last,
ringt und kann sich doch nicht retten,
aus der Sünde, die sie hasst
und doch immer wieder fasst.

Löse du, o Herr, die Ketten,
nimm vom Herzen mir die Last.
Deine Hand nur kann mich retten,
wenn sie mächtig mich umfasst.
Lass mir weder Ruh’ noch Rast!

Herr! In den vergangnen Tagen
hab’ ich wenig dich geliebt,
wollte nie dein Kreuz dir tragen,
habe dich so oft betrübt,
mich im Guten schlecht geübt.

Ach! Ich selbst kann’s nicht vollbringen,
und ich muss doch zu dir hin;
Du, mein Gott, du selbst musst zwingen
den verkehrten eiteln Sinn,
bis ich dir geheiligt bin.

Amen, Amen,
in Jesu Namen!

Luise Hensel

Müde bin ich, geh’ zur Ruh’,
schließe beide Äuglein zu;
Vater, lass die Augen dein
über meinem Bette sein!

Hab’ ich Unrecht heut’ getan,
sieh’ es, lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad’ und Jesu Blut
macht ja allen Schaden gut.

Alle, die mir sind verwandt,
Gott, lass ruhn in deiner Hand!
Alle Menschen, groß und klein,
sollen dir befohlen sein.

Kranken Herzen sende Ruh’,
nasse Augen schließe zu;
lass den Mond am Himmel stehn
und die stille Welt besehn!

Luise Hensel
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