Inspirationen auf dem Lebensweg

Mit Verhaltenstherapien gegen soziale Angststörungen?

Es ist ein Teufelskreis. Angst, immer nur Angst. Wer unter einer sozialen Phobie leidet – und das sind laut Studien fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen – hat sehr starke soziale Angst. Angst, unangenehm aufzufallen, sich lächerlich zu machen und deswegen von anderen negativ beurteilt und abgelehnt zu werden. Ständig quält Betroffene die Frage, was wohl andere Menschen über sie denken und die übersteigerte und unangemessen starke Angst vor einer negativen Bewertung. Die Soziale Phobie ist neben der Agoraphobie (Platzangst) und den anderen Panikattacken die häufigste Form der Angststörungen (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobie)

Der Teufelskreis der Angst

Sich mit anderen zu unterhalten, vor anderen zu sprechen, in der Öffentlichkeit zu essen und zu trinken, unter den Blicken anderer auf die Toilette zu gehen oder sich nur zu unterhalten – all das kann Sozialphobikern Angst machen. Sie kann sich in Herzklopfen bis zum Herzrasen äußern, aber auch in Schweißausbrüchen, Atemnot, Übelkeit, Magen-Darm-Problemen oder Schwächegefühl. Das ist eine sehr belastende Situation für den Betroffenen. Und weil er Angst davor hat, dass ihm diese Angst angesehen wird, schließt sich der Teufelskreis. Die Angst vor der Angst ist da. Um all dem zu entgehen, ziehen sich viele Betroffene zurück, meiden Situationen, in denen sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen und unangenehm auffallen könnten. Kein Date mehr, keine Party, kein Vortrag vor den Kollegen. Große persönliche und berufliche Einschränkungen können die Folge sein. Diplom Psychologe Dr. Rolf Merkle (angst-panik-hilfe.de), der viele Patienten mit sozialer Phobie behandelt:

Viele ziehen sich zurück, brec hen die Schule ab, ergreifen einen Beruf mit möglichst wenig Kontakten.“ Oft wird eine unbehandelte soziale Phobie versucht, mit Alkohol, Essen oder Medikamenten zu bekämpfen. Einsamkeit und Depressionen können die Folgen sein.

Was können die Ursachen einer sozialen Phobie sein?

Die Menschen werden, was ihre Seele betrifft, unterschiedlich geboren. Manche können von ihrer Veranlagung her schneller seelisch verwundbar sein als andere, die ein dickeres Fell haben. Eine höhere Angstbereitschaft kann also angeboren sein. Wenn dann noch überbehütende Eltern dazu kommen, die das Kind sehr stark kontrollieren und selbst sehr ängstlich sind, ist das Risiko höher, eine soziale Phobie zu entwickeln. Aber auch überkritische Eltern, die ständig nur Höchstleistungen verlangen und selten loben, können die Grundlage für eine spätere Angststörung legen. Kinder, die von anderen wegen ihres Andersseins gehänselt und ausgeschlossen werden – sei es, weil sie dicker, nicht nach der neuesten Mode gekleidet oder sich von der Masse unterscheiden – brauchen ein starkes Selbstwertgefühl, um nicht an einer sozialen Phobie zu erkranken.

Die Bausteine der Verhaltenstherapie

Wer sehr unter seinen Ängsten leidet, sollte eine Therapie ins Auge fassen. Dr. Rolf Merkle: „Sehr gute Erfolge werden mit der kognitiven Verhaltenstherapie erzielt. Deshalb rate ich zu einem Therapeuten, der sich mit dieser Methode auskennt.“ Ziel der Therapie, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, ist es, nicht mehr vor unangenehmen Situationen zu flüchten, sondern sie nicht mehr als Katastrophe zu empfinden, sondern auszuhalten. Während der Therapie lernt der Patient Gelassenheit, erwirbt soziale Fertigkeiten und baut sein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl auf. Die Kognitive Verhaltenstherapie (Kognitionen umfassen die Einstellungen, Gedanken Bewertungen und Überzeugungen eines Menschen) wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Sie umfasst mehrere Bausteine. Das ist zum einen die Gedankenkontrolle. Mit Hilfe des Therapeuten lernt der Patient den Zusammenhang zwischen seinen Gedanken, Gefühlen und Handlungen kennen. Er erfährt, wie angstvolle Gedanken kommen, aber auch wieder verschwinden können. Er übt, seine Katastrophengedanken zu kontrollieren, den Angstkreislauf zu durchbrechen und durch Gelassenheit zu ersetzen.

Ein ganz wichtiger Baustein ist das Konfrontationstraining. Wer Situationen meidet, die ihm Angst machen, wird die Angst verstärken. Beim Konfrontationstraining wird der Angst die Grundlage entzogen. Patienten stellen sich nach und nach und mit Unterstützung des Therapeuten Situationen, die ihnen Angst machen. Sie stellen fest, dass die bisherigen Angstreaktionen unnötig oder unangemessen waren. Oft wussten sie ja vom Verstand her, dass ihre Ängste irrational waren, jetzt erleben sie es nach und nach auch vom Gefühl her. Sie stellen fest, dass ihre Phantasien wenig mit der Realität zu tun haben.

Harte Arbeit, die sich lohnt

Seine sozialen Ängste zu bekämpfen, bedeutet harte Arbeit. Sie braucht Mut und Überwindung. Immer und immer wieder werden Situationen gesucht, die früher vermieden wurden: Leute auf der Straße ansprechen und nach dem Weg und nach der Uhrzeit fragen, allein ins Café gehen, sich für einen Projekt im Job melden. Während der Therapie lernt der Patient auch ein Entspannungsverfahren, oft die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Sie kann im Fall einer drohenden Angstattacke Seele und Körper entspannen.

Und der letzte, aber nicht unwichtigste Therapie-Baustein ist der Aufbau des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls. Denn nur Menschen, die nicht viel von sich halten, haben Angst vor der Meinung anderer. In Rollenspielen üben die Patienten, auf andere zuzugehen, zu flirten, Gespräche zu führen. Die kognitive Verhaltenstherapie kann in Einzeltherapie, aber auch Gruppentherapie durchgeführt werden. Oft beginnt sie mit einer Einzeltherapie, die praktischen Übungen finden dann in der Gruppe statt.

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